Agenturmeldungen

Mehr Durchfall-Erkrankungen durch falschen Umgang mit Lebensmitteln

09.03.2017

Unkenntnis beim Grillen oder Kochen befördert nach Einschätzung des
Bundesinstituts für Risikobewertung Durchfall-Erkrankungen durch
Bakterien. Doch nicht alle Keime sind gleichermaßen betroffen -
Salmonellen-Infektionen sind seltener als früher.

Berlin (dpa) - Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat vor
einer starken Zunahme von Campylobacter-Bakterien gewarnt. Die
Erreger können ansteckende Durchfall-Erkrankungen auslösen, häufig
erfolgt die Übertragung über Geflügelfleisch. «Deutschland
verzeichnet hier pro Jahr 70 000 bis 75 000 klinische Fälle», sagte
BfR-Präsident Andreas Hensel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
«Die Campylobacter-Bakterien sind stark im Kommen.» Die meisten, die
daran erkrankten, seien junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren.

Als einen Grund für die Erkrankungen nannte Hensel fehlendes Wissen
über den Umgang mit Nahrungsmitteln. «Wir müssen uns mehr um die
Küchenhygiene kümmern», sagte der BfR-Präsident. «In unserer Welt der
Einzelhaushalte wird das Kochen gar nicht erst erlernt.»

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) beobachtet eine Zunahme der
gemeldeten Campylobacter-Fälle - allerdings auf lange Sicht. So stieg
die Zahl der Infektionen von 2001 mit rund 54 400 registrierten
Erkrankungen langsam über die Jahre auf das heutige Plateau um die
70 000 Fälle pro Jahr an. Nach den jüngsten Zahlen für 2015 starben
in diesem Jahr vier Männer im Alter zwischen 73 und 86 Jahren nach
einer Campylobacter-Infektion.

Als erfreulich wertet das RKI dagegen den stetigen Rückgang von
Salmonellen-Infektionen, die ebenfalls vorwiegend durch den
unsachgemäßen Umgang mit Lebensmitteln übertragen werden können. Die
gemeldeten Fallzahlen sanken seit 2001 von rund
69 000 auf heute rund 13 000 Fälle im Jahr. 2015 gab es jedoch immer
noch 16 bestätigte Todesfälle im Zusammenhang
mit Salmonellosen.

«Schätzungsweise eine Million Deutsche erleiden pro Jahr mindestens
eine Lebensmittelvergiftung. Entweder durch Viren, Bakterien,
Parasiten oder bakterielle Gifte», sagte Hensel. Verantwortlich seien
häufig ganz bekannte Produkte: rohes Fleisch, vor allem Geflügel,
Rohmilchprodukte, rohe Eier.

Vorbeugen kann jeder, der kocht, durch häufiges Händewaschen mit
Seife. Doch auch das ausreichende Säubern von Schneidebrettern und
das fachgerechte Lagern von Lebensmitteln ist wichtig. Hensel weist
auch auf das beliebte Sommer-Grillen als Gefahrenherd hin. «Da fasst
einer den rohen Hühnerschenkel an und nimmt dann mit der gleichen
Hand das fertige Würstchen vom Grill. Wer das isst, nimmt genügend
Bakterien für fünf Tage Durchfall auf.»