Agenturmeldungen

Ministerium: elektronische Gesundheitskarte nicht vor dem Aus

07.08.2017

Berlin (dpa) - Das Bundesgesundheitsministerium hat Berichte
zurückgewiesen, wonach die elektronische Gesundheitskarte (eGK)
faktisch vor dem Aus steht. Eine Sprecherin sagte am Montag in
Berlin, diese Darstellungen «entbehren jeder Grundlage und sie sind
falsch». Vielmehr sei Bewegung in die Umsetzung des elektronischen
Verkehrs mit Gesundheitsdaten gekommen. Die bisherigen Tests seien
erfolgreich verlaufen, so dass im Herbst damit begonnen werden könne,
bundesweit die Arztpraxen an das System anzuschließen.
Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gab sich im MDR
zuversichtlich, dass die digitale Vernetzung der Facharztgruppen und
Krankenhäuser gelingen werde.

Die Sprecherin forderte an die Akteure im Gesundheitswesen zu
gemeinsamen Anstrengungen auf, damit die mehr als 70 Millionen
gesetzlich Versicherten nach mehr als zehn Jahren Entwicklung endlich
über gesicherte IT-Netze kommunizieren könnten. Nachdem die an der
Entwicklung des Systems beteiligten Unternehmen unter anderem wegen
hoher Datenschutzbestimmungen nicht vorangekommen waren, hatte Gröhe
per Gesetz Druck gemacht. Er sprach sich gegen Insellösungen aus, wie
sie unter anderem bei Krankenkassen diskutiert werden.

Der Vorstandschef der AOK Bayern, Helmut Platzer, hatte der dpa
gesagt, es sei «unsicherer denn je, wann die Gesundheitskarte die in
sie gesetzten Erwartungen erfüllt». In Ärzteverbänden und
gesetzlichen Krankenkassen hieß es, in der Bundesregierung gebe es
Pläne, die eGK nach der Bundestagswahl für gescheitert zu erklären.
Die eGK hat nach Berechnungen des Dachverbands der
Innungskrankenkassen bis jetzt rund 1,7 Milliarden Euro an Kosten
verursacht.

Auch aus den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) kamen Zweifel an der
Zukunftsfähigkeit der Gesundheitskarte. «Wenn man mit Fachleuten
redet, hört man, das sei eine Technik, die eigentlich schon überholt
ist», sagte der Vorstandschef der KV Bayern Wolfgang Krombholz der
dpa.