Agenturmeldungen

Münchner Heli-Ärzte: Zwei Stunden schneller bei Schlaganfallpatienten

27.02.2019

München (dpa) - Mit Helikopterflügen zu Schlaganfallpatienten haben
Münchner Ärzte die Zeit bis zum Eingriff um fast zwei Stunden
verkürzt - und hoffen damit Folgeschäden erheblich zu mindern. Binnen
eines Jahres seien bei dem bundesweit einmaligen Pilotprojekt rund 60
Patienten in Bayern behandelt worden, sagt Projektleiter Gordian
Hubert von der München Klinik Harlaching, die das Projekt mit dem
Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität betreibt.

Erste Auswertungen zeigten, dass mit dem Heli-Einsatz von der
Diagnose bis zum Eingriff im Mittel 56 Minuten vergingen. Wurden die
Patienten hingegen erst nach München zu den Spezialisten gebracht,
dauerte es durchschnittlich 166 Minuten. Bei den meisten
Schlaganfällen bildet sich ein Blutgerinnsel im Kopf und verhindert
die Durchblutung der betreffenden Hirnregion. Pro Minute sterben rund
zwei Millionen Hirnzellen ab. «Wir wissen seit Jahren, dass die Zeit
bei der Schlaganfallbehandlung extrem wichtig ist», sagt Hubert.

Seit mehreren Jahren behandeln Spezialisten Patienten bei großen
Blutgerinnseln mit der sogenannten Thrombektomie. Ein Katheter wird
dabei durch die Leistenarterie bis zu dem Blutpfropf im Gehirn
geschoben, der dort mit einem Metallgeflecht gegriffen und entfernt
wird. Aber nur Ärzte in großen Zentren können die Methode bisher
anwenden.

Pro Jahr erleiden in Deutschland rund 260 000 Menschen einen
Schlaganfall. Bei rund 175 000 von ihnen ist der Grund eine
plötzliche Minderdurchblutung. Von diesen wiederum kommen laut Hubert

fünf bis zehn Prozent für eine Thrombektomie in Frage. Ob ein
aktueller Fall dazu gehört, klären die Ärzte vor dem Start des
Helikopters in einer Videoschalte.