Agenturmeldungen

Nachfrage nach medizinischem Cannabis steigt rasant

08.03.2018

Frankfurt/Main (dpa) - Ein Jahr nach der Freigabe lassen sich immer

mehr Patienten in Deutschland Behandlungen mit medizinischem Cannabis

verschreiben. So verzeichnen die Apotheken eine rasant wachsende Zahl

eingereichter Cannabis-Rezepte. 2017 seien schon 44 000 Einheiten

Blüten zulasten der gesetzlichen Krankenkassen ausgegeben worden,

teilte der Branchenverband ABDA der Deutschen Presse-Agentur mit.

«Die Tendenz war von Quartal zu Quartal steigend, sowohl bei Rezepten

als auch bei den Abgabeeinheiten», erklärte Andreas Kiefer, Präsident

der Bundesapothekenkammer. Hätten die Apotheken im zweiten Quartal

2017 noch 4615 Rezepte mit gut 10 000 Einheiten verteilten

Cannabis-Blüten verbucht, seien es im Schlussquartal 12 717 Rezepte

mit rund 18 800 Einheiten gewesen. «Cannabis-Rezepturen sind also

zumindest teilweise im Versorgungsalltag angekommen», sagte Kiefer.

Bei den Krankenkassen gehen indes massenhaft Anträge auf

Kostenerstattung für Cannabis-Behandlungen ein. Allein bei den großen

Versicherungen AOK-Bundesverband, Techniker und Barmer waren es seit

der Freigabe am 10. März 2017 insgesamt über 15 700, wie sie

berichten. Die Zahl der Anträge sei «sprunghaft gestiegen», erklärte

auch die DAK-Gesundheit. Laut der Kassen gibt es aber Anlaufprobleme,

etwa wegen fehlerhafter oder unvollständiger Angaben. Bisher lehnen

die vier Kassen rund ein Drittel der Anträge vorerst ab.

Ärzte müssen verschriebene Cannabis-Therapien umfangreich begründen.

Die Krankenkassen können Anträge zunächst abweisen und Angaben

nachfordern. Sie übernähmen aber bei allen zugelassenen

rezeptpflichtigen Medikamenten die Kosten, so der Spitzenverband GKV.

Cannabis kann Spastiken, etwa in Folge von Multipler Sklerose oder

Übelkeit nach Chemotherapien lindern und soll auch gegen Epilepsie

helfen. Die Wirksamkeit ist aber nicht völlig medizinisch belegt.