Agenturmeldungen

Neue Gesundheits-App für Millionen Versicherte startet

17.09.2018

Über Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen wissen Millionen
Versicherte nicht Bescheid. Und geht man zu einem neuen Arzt, hat der
oft keine Einsicht in bisherige Befunde. Eine neue App soll helfen.

Berlin (dpa) - Millionen Versicherte sollen ab diesem Montag ihre
Gesundheitsdaten über eine neue Handy-App verwalten können. In der
digitalen Akte «Vivy» können etwa Befunde, Laborwerte und
Röntgenbilder gespeichert und mit dem behandelnden Arzt geteilt
werden, heißt es in einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden
Mitteilung. Dahinter stehen 13 gesetzliche und zwei private
Krankenversicherungen mit 13,5 Millionen Versicherten. Das Angebot
sei kostenlos.

Die App soll an Impftermine und Vorsorgeuntersuchungen erinnern. Ein
Medikamentencheck soll mögliche Wechselwirkungen anzeigen, nachdem
man den Code auf der Packung oder dem Medikationsplan eingescannt
hat. Auch Überweisungen, U-Hefte oder der Mutterpass könnten in der
App gebündelt, Fitnesstracker mit ihr gekoppelt werden.

««Vivy» wird im Praxisalltag vieles einfacher machen,
Doppeluntersuchungen vermeiden helfen und mehr Transparenz für
Behandler und Patienten schaffen», sagte der Vorstandschef der
beteiligten Kasse DAK-Gesundheit, Andreas Storm. Die App sei das
erste entsprechende Angebot in Deutschland für Millionen Menschen.

Die an «Vivy» beteiligten Versicherungen wollen ihre Kunden ab diesem
Montag informieren. An den Start gehen die Allianz Private
Krankenversicherung und die Barmenia. Auf Seiten der gesetzlichen
Kassen starten außer der DAK-Gesundheit die Innungskrankenkassen IKK
classic, IKK Nord, IKK Südwest sowie mehrere Betriebskrankenkassen.

Die Daten der Nutzer seien sicher. Nur die Nutzer würden über deren
Verwendung entscheiden, betonten die Verantwortlichen. Die
Versicherer, der beteiligte IT-Dienstleister Bitmarck oder die Vivy
GmbH hätten keinen Zugriff darauf. Bei jeder Datenübertragung gebe es
mehrstufige Sicherheitsprozesse und eine Verschlüsselung, für die nur
der Versicherte den Schlüssel habe. Es sei als sichere Plattform
zertifiziert und als Medizinprodukt zugelassen.

Zum Start haben die Unternehmen den möglichen Bedarf mit einer
Umfrage ermittelt. Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger (69
Prozent) wissen laut der Forsa-Erhebung nicht, wann ihr nächster
Impftermin ist. 43 Prozent kennen die für sie empfohlenen
Vorsorgeuntersuchungen nicht. Jeder vierte Befragte hat bereits
Mehrfachuntersuchungen erlebt, weil Ergebnisse aus anderen Praxen und
Kliniken nicht vorlagen. Ein Fünftel der Deutschen wurde deshalb
sogar mehrfach geröntgt. Jeder Dritte geht zwischen drei und zehn Mal
im Jahr zum Facharzt, 44 Prozent gehen ebenso oft zum Hausarzt.

Die Kassen preschen mit ihren Angeboten vor. Gesundheitsminister Jens
Spahn (CDU) will, dass gesetzlich Versicherte spätestens ab 2021
generell auch per Handy und Tablet ihre Patientendaten einsehen
können.

Eigene Angebote für elektronische Gesundheitsakten hatten bereits die
AOK und die Techniker Krankenkasse (TK) vorgestellt. TK-Chef Jens
Baas sprach bei der Vorstellung von «TK-Safe» im April von einer
«Revolution»: Daten würden zu neuen hilfreichen Informationen
zusammengeführt. Mittlerweile nutzten mehr als 30 000 Versicherte die
digitale TK-Akten, wie Baas der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Wir
befinden uns derzeit im erweiterten Testbetrieb, da man mit
Patientendaten keine Schnellschüsse machen darf.» Die Resonanz sei
positiv, jeden Tag kämen 500 neue Nutzer hinzu. Die Testphase sei auf
100 000 Benutzer ausgelegt.

Die AOK will ihr Gesundheitsnetzwerk nach Pilotprojekten in
Mecklenburg-Vorpommern und Berlin bis Anfang 2019 in den anderen
Ländern starten. Je nach regionalen Gegebenheiten soll es
unterschiedliche Anwendungen geben.