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Neue Pflegeausbildung ab 2020 - Bundestag stimmt Reform zu

22.06.2017

In einer alternden Gesellschaft wird Pflege zu einem wichtigen
Berufsfeld. Die Ausbildung muss entsprechend angepasst und
modernisiert werden. Nach zehnjährigem Ringen ist nun ein wichtiger
Schritt getan.

Berlin (dpa) - Pflegekräfte für kranke Kinder, kranke Erwachsene und
alte Menschen durchlaufen künftig in den ersten beiden Jahren eine
gemeinsame Ausbildung. Im letzten Jahr können sie dann die bisherige,
allgemeine Ausbildung fortführen oder sich auf die
Kinderkrankenpflege beziehungsweise die Altenpflege spezialisieren.
Auszubildende in der Pflege müssen künftig kein Schulgeld mehr
bezahlen, sondern bekommen eine Ausbildungsvergütung. Nach langem
Ringen beschloss der Bundestag am Donnerstag das sogenannte
Pflegeberufegesetz.

Die Pflegehelferausbildung kann künftig auf die Ausbildung zur
Pflegefachkraft angerechnet werden. Ergänzend zur beruflichen
Pflegeausbildung wird es das Pflegestudium geben. Insbesondere mit
Blick auf die immer wichtiger werdende Altenpflege erhofft sich der
Gesetzgeber von der Zusammenlegung der bisherigen Ausbildungsstränge,
den Pflegeberuf attraktiver zu machen und so dem Fachkräftemangel
entgegenzuwirken.

Das Gesetz bedarf der Zustimmung des Bundesrats. Es soll in Stufen in
Kraft treten, einige Regelungen bereits am Tag nach der Verkündung.
Damit soll sichergestellt werden, dass rechtzeitig vor Beginn der
neuen Ausbildung die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung vorliegt.
Der erste Ausbildungsjahrgang soll 2020 beginnen.

Seniorenministerin Katarina Barley (SPD) erklärte: «Mit dem Gesetz
werden die Pflegeberufe modernisiert und fit für den demografischen
Wandel. Durch die Schulgeldfreiheit und eine angemessene
Ausbildungsvergütung wird die Attraktivität der Ausbildung erhöht.»
Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) betonte, dass die alternde
deutsche Gesellschaft in Zukunft mehr Pflegekräfte brauche. Deshalb
müssten die Pflegekräfte besser auf die veränderten Anforderungen in
der Praxis vorbereitet werden.

In der abschließenden Debatte im Bundestag sagte der stellvertretende
Unionsfraktionsvorsitzende Georg Nüßlein (CSU), die Union habe dafür
gesorgt, dass Hauptschülern und Quereinsteigern nicht der Zugang zu
dem Beruf verbaut werde. «Die Pflege war das Topthema dieser
Legislaturperiode.» Die Reform sei der letzte Baustein in einer Reihe
von Pflegereformen. Und sie sei eine der schwierigsten gewesen.

Die Linken-Abgeordnete Pia Zimmermann kritisierte dagegen, die
Pflegeausbildung werde unübersichtlicher. Zudem sei die Finanzierung
noch nicht endgültig geklärt. Elisabeth Scharfenberg von den Grünen
warnte, die Ausbildungsreform sei nicht Allheilmittel gegen
Fachkräftemangel, wie dies immer wieder dargestellt worden sei.

Die Koalitionsfraktionen hatten sich erst in der vergangenen Woche
auf letzte Details verständigt. Nach sechs Jahren soll geprüft
werden, wie viele Auszubildende sich spezialisiert haben und wie
viele ihren ursprünglichen Berufswunsch - Kranken-, Kinderkranken-
oder Altenpflege - während der Ausbildung abgeändert haben. Wenn sich
2026 etwa herausstellen sollte, dass sich mehr als die Hälfte der
Auszubildenden für die Generalistik, also die allgemeine Ausbildung
entscheidet, könnte man nochmals neu über die Spezialausbildung
nachdenken.