Agenturmeldungen

Organspende-Skandale in Deutschland

05.05.2015

Göttingen (dpa) - In Deutschland haben mehrere Skandale das Vertrauen in die Transplantationsmedizin erschüttert und die Bereitschaft zur Organspende zurückgehen lassen:

Juli 2012: Es wird bekannt, dass zwei Mediziner der Göttinger Universitätsklinik im großen Stil Akten gefälscht und die eigenen Patienten beim Empfang von Spenderlebern bevorzugt haben sollen.

August 2012: Nach neuen Erkenntnissen soll einer der verdächtigen Mediziner schon von 2004 bis 2006 an der Regensburger Uniklinik vor Leber-Transplantationen Krankendaten manipuliert haben.

September/Oktober 2012: Prüfer am Münchner Krankenhaus rechts der Isar stellen Auffälligkeiten bei der Organvergabe fest. Laut Klinik wurden Laborwerte gefälscht, damit eigene Patienten auf der Warteliste nach oben rutschten und rascher ein Spenderorgan bekamen.

Januar 2013: Am Universitätsklinikum Leipzig werden Manipulationen aufgedeckt. Der Direktor des Transplantationszentrums und zwei Oberärzte werden beurlaubt.

Mai 2013: Das Klinikum rechts der Isar darf nach dem Willen der bayerischen Landesregierung künftig keine Lebern mehr verpflanzen. Strukturelle Veränderungen sollen neues Vertrauen schaffen, heißt es.

Juni 2013: Nach dem Willen des Bundestags sollen Betrügereien schärfer geahndet werden. Eine Änderung des Transplantationsgesetzes sieht Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren oder Geldstrafen vor.

August 2013: Der Prozess gegen den früheren Chef der Göttinger Transplantationsmedizin beginnt.

August 2014: Staatsanwälte ermitteln nach einer Selbstanzeige gegen Ärzte des Deutschen Herzzentrums in Berlin wegen versuchten Totschlags. Prüfer der Bundesärztekammer stellen fest, dass es von

2010 bis 2012 insgesamt 14 Fälle von Manipulation gegeben hat. So sollten Patienten auf der Warteliste nach vorne rutschen.