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Palliativärzte: Gesetz zu Sterbehilfe schafft Unsicherheiten

22.09.2015

Palliativmediziner haben erhebliche Bedenken gegen eine Neuregelung der Sterbehilfe. Sie schaffe eher Unsicherheiten. Notwendig sei eine bessere Versorgung von Schwerstkranken.

Berlin (dpa) - Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) lehnt eine ärztlich assistierte Selbsttötung Schwerstkranker ab. Eine gesetzliche Neuregelung der Sterbehilfe bringe im Grunde nur mehr Graubereiche und Unsicherheiten, sagte DGP-Präsident Lukas Radbruch am Dienstag in Berlin. «Wir glauben nicht, dass eine gesetzliche Regelung hier Hilfe bietet.»

Wie aus einer DGP-Umfrage unter Ärzten hervorging, lehnen 56 Prozent der Befragten ärztlich assistierten Suizid grundsätzlich ab, 21 Prozent sehen die Notwendigkeit einer strafrechtlichen Änderung. Ein Verbot der organisierten Sterbehilfe wird demnach ebenfalls von einer Mehrheit befürwortet.

Bundestagsvizepräsident Peter Hintze wertete die Umfrage als «klares Signal gegen eine Strafverschärfung für Ärzte». Zwar lehne eine Mehrheit den ärztlich assistierten Suizid aus grundsätzlichen Erwägungen ab. Dass ihn aber knapp die Hälfte befürworte, sei hoch beachtlich, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Eine große Zahl an Ärzten und Pflegern würde sich damit der DGP-Verbandsspitze «aus Gründen der Gewissensfreiheit und Nächstenliebe» verweigern.

Eine Koalitionsgruppe um Hintze, Carola Reimann und Karl Lauterbach (beide SPD) will mit ihrem Gesetzentwurf die Möglichkeit des ärztlich begleiteten Suizids für schwerst leidende, sterbende Menschen schaffen.

Die Mediziner sprechen sich indessen für den Ausbau der Palliativmedizin und Hospizbewegung zur Sterbebegleitung schwerstkranker Menschen aus. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte dazu einen Gesetzentwurf vorgelegt, zu dem an diesem Mittwoch im Gesundheitsausschuss Sachverständige angehört werden sollen.

Der DGP wies jedoch auch auf einige Schwächen im Entwurf hin. So komme die pflegerische Betreuung zu kurz. Auch solle das Personal besser geschult werden. Und: «Schwerstkranke und sterbende Menschen brauchen nicht nur auf den Palliativstationen, sondern auch auf den Allgemeinstationen eines Krankenhauses oder in Alten- und Pflegeheimen kompetente palliativmedizinische Versorgung und Begleitung durch ein multiprofessionelles Team.»

Deshalb sei der Ausbau eines Netzes mit qualifizierten Kräften notwendig. Eine flächendeckende Palliativmedizin müsse in ganz Deutschland sichergestellt werden. Bundesweit seien die Hospize und Palliativstationen teilweise «chronisch unterfinanziert», sagte die DGP-Vizepräsidentin Maria Wasner. Das führe zu einem «Zwei-Klassen-Sterben» in Deutschland. Besonders auf dem Land und in dünn besiedelten Regionen sei eine umfassende Sterbebegleitung von schwer kranken Menschen oftmals nicht möglich.