Agenturmeldungen

Patientenschützer: Wahlkämpfer haben Pflege zu wenig im Blick

22.08.2017

Die Bundesregierung hat in dieser Legislaturperiode mehrere
Pflegegesetze verabschiedet sowie die Versorgung Sterbenskranker neu
geregelt. Patientenschützern sehen weiteren Bedarf.

Berlin (dpa) - Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat den Parteien
im Bundestag vorgeworfen, sich im Wahlkampf zu wenig mit dem Thema
Pflege auseinanderzusetzen. Dabei sei das Thema für viele Menschen in
Deutschland wahlentscheidend, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch
der Deutschen Presse-Agentur. So fehlten konkrete Verbesserungen für
den bundeseinheitlichen Pflegepersonalschlüssel ebenso wie für die
finanzielle Unterstützung pflegender Angehöriger. Diese Themen
müssten sofort nach der Wahl angegangen werden.

Brysch bekräftigte seine Kritik, dass Sterbende in Pflegeheimen
schlechter gestellt würden als in Hospizen. In den 13 600 stationären
Pflegeeinrichtungen benötigten gut 204 000 schwerst kranke Menschen
palliative Sterbebegleitung. Für diese Menschen im Pflegeheim stünden
lediglich bis zu 2005 Euro im Monat zur Verfügung. Für die 25 000
Menschen, die jährlich in den 230 stationären Hospizen sterben,
würden von den Sozialkassen monatlich rund 8300 Euro pro Person
aufgewendet.

Lediglich die Linkspartei sei bereit, Sterbende in Pflegeheimen mit
denen in Hospizen gleichzustellen. «Hier müssen alle Parteien endlich
aufwachen und einen Anspruch auf Hospizleistungen auch in stationären
Pflegeeinrichtungen verwirklichen», verlangte die Stiftung.

Er kritisierte zudem Ungerechtigkeiten in der medizinischen
Behandlungspflege. Bei Patienten daheim trügen die Krankenkassen
dafür die Kosten. Bewohner im Pflegeheim müssen Kosten für
Medikamentengabe, Blutdruckmessung oder Wundversorgung selbst tragen.
Durchschnittlich seien das für jeden Pflegeheimbewohner 475 Euro
monatlich. Die 800 000 Pflegeheimbewohner zahlten hier also mehr als
drei Milliarden Euro pro Jahr aus eigener Tasche.