Agenturmeldungen

Probleme bei Milliarden-Übernahme: Fresenius stellt Zukauf in Frage

27.02.2018

Inmitten von Rekordergebnissen für 2017 bringen anonyme Hinweise
Fresenius in die Bredouille. Bei einem geplanten Zukauf in den USA
gebe es Missstände, heißt es darin. Nun behält sich der
Gesundheitskonzern das Recht auf Rückzug von der Übernahme vor.

Bad Homburg (dpa) - Die geplante milliardenschwere Übernahme des
US-Arzneiherstellers Akorn wird zum Dauerärgernis für Fresenius. Bei
dem Unternehmen geht der hessische Gesundheitskonzern Vorwürfen nach
möglichen Missständen in der Produktentwicklung nach, wie Fresenius
am Montagabend in Bad Homburg mitteilte. Zuvor habe es anonyme
Hinweisbriefe gegeben, sagte Fresenius-Chef Stephan Sturm. Er schloss
am Dienstag den Rückzug von dem 4,4 Milliarden Euro teuren Zukauf
nicht aus.

Die Probleme bei Akorn, einem Hersteller von Cremes und Salben,
trüben die Rekordergebnisse bei Fresenius. Der Dax-Konzern erreichte
2017 das 14. Jahr in Folge Höchststände bei Gewinn und Umsatz und
verbuchte auch bei der Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care (FMC)
Rekorde.

Vorstandschef Sturm sagte, die Vorwürfe gegen Akorn seien bei der
Prüfung der Übernahme nicht bekannt gewesen. Diese sei die
«umfangreichste und sorgfältigste» seiner Amtszeit gegeben. Sollten
sich die Vorwürfe gegen Akorn als falsch erweisen, werde Fresenius
den Zukauf vollziehen und «zum Erfolg machen». Sollten die Vorwürfe
aber so groß sein, dass sie die strategischen Ziele von Fresenius
gefährdeten, behalte sich das Unternehmen den Rückzug von der
Übernahme vor, so Sturm. Noch sei es zu früh, darüber zu spekulieren.

Der Gesundheitskonzern führt nun eine unabhängige Prüfung bei Akorn
mit externen Experten durch, um die «angeblichen Verstöße» gegen
Vorgaben der US-Gesundheitsbehörde FDA zur Datenintegrität und
Produktentwicklung aufzuklären. Dabei geht es um mögliches
Fehlverhalten von Akorn bei der Zulassung von Medikamenten. Fresenius
peile weiter die kartellrechtliche Freigabe des Deals in den USA an.

Die umstrittene Übernahme wird für den Konzern zur Dauerbaustelle.
Ursprünglich wollte Fresenius den Zukauf Anfang 2018 abschließen,
zuletzt zog sich aber die kartellrechtliche Prüfung dahin. Zudem
steht Akorn selbst unter Preisdruck und lieferte jüngst schwache
Ergebnisse. Daher wuchs die Sorge, Fresenius könne sich nach einigen
gelungenen Übernahmen dieses Mal verhoben haben. Am Dienstag stiegen
Fresenius-Aktien deutlich, da die Börse auf ein Aus für die Übernahme
spekulierte.

Akorn teilte mit, die Untersuchungen hätten bisher keine Ergebnisse
geliefert, die einen wesentlichen Einfluss auf die Geschäfte hätten.
Man glaube nicht, dass sie den Abschluss der Übernahme gefährdeten.

2017 war für Fresenius indes ein starkes Jahr. Vor allem dank der
starken Klinik-Sparte stieg der Umsatz gemessen am Vorjahr um 15
Prozent auf knapp 33,9 Milliarden Euro und der Gewinn um 16 Prozent
auf gut 1,8 Milliarden Euro. Auch bei Flüssigmedizin gab es Zuwächse.

Bei der Dialyse-Tochter FMC stieg ferner der Umsatz um 7 Prozent auf
17,8 Milliarden Euro. Der Gewinn wuchs dank der US-Steuerreform um 12
Prozent auf 1,28 Milliarden Euro. In einem Vergleichsverfahren mit
der US-Börsenaufsicht und dem dortigen Justizministerium wegen
fragwürdiger Geschäfte hofft FMC außerhalb der USA auf Einigung. Das
Unternehmen stellte nun dafür 200 Millionen Dollar zurück.

Fresenius-Anteilseigner sollen für 2017 eine höhere Dividende von
0,75 Euro je Aktie bekommen - die 25. Anhebung in Folge. An
FMC-Aktionäre soll eine um 10 Cent auf 1,06 Euro gesteigerte
Dividende ausgeschüttet werden. Im neuen Geschäftsjahr peilen
Fresenius und FMC wieder Rekorde an. Bei der Dialyse-Tochter sollen
2018 positive US-Steuereffekte von 140 bis 160 Millionen Euro helfen.