Agenturmeldungen

Psychotherapeuten: Es fehlen weiterhin Behandlungsplätze

27.03.2017

Die Leistungen für psychisch Kranke werden vom kommenden Monat
deutlich verbessert. Das könnte zu weiteren Engpässen und Wartezeiten
bei den Psychotherapeuten führen.

Berlin (dpa) - Psychisch kranke Menschen bekommen vom 1. April an
einen wesentlich schnelleren Zugang zu einem Psychotherapeuten. Nach
einer neuen Richtlinie können die monatelangen Wartezeiten für ein
erstes Gespräch wesentlich verkürzt werden, sagte der Präsident der
Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Dietrich Munz, der Deutschen
Presse-Agentur. Er kritisierte jedoch, dass es immer noch an
ausreichend Behandlungsplätzen fehle. Und durch die Sprechstunde
werde der Bedarf an Therapieplätzen eher noch zunehmen.

Zum 1. April müssen Psychotherapeuten pro Woche mindestens zwei
Stunden (4 mal 25 Minuten) für Sprechstunden zur Verfügung stehen.
«Die Patienten können künftig in der Sprechstunde rasch erfahren, ob
sie krank sind, ob sie eine Behandlung brauchen oder ob sie nur eine
Krise haben, die auch anderweitig bewältigt werden kann», sagte Munz.
In der Sprechstunde könne auch geklärt werden, ob in dringenden
Fällen eine sogenannte Akutbehandlung erforderlich sei. Dabei könne
ohne ein langes Antragsverfahren mit der Krankenkasse rasch eine
Behandlung des Patienten begonnen werden, erläuterte Munz.

Neben den Sprechstunden müssen Psychotherapeuten insgesamt 200
Minuten in der Woche telefonisch erreichbar sein. Dazu müssten aber
nicht sie selbst am Telefon sitzen, sondern könnten das an eine
Praxishilfe delegieren. Im Prinzip könne in einem ersten Gespräch am
Telefon entschieden werden, ob jemand sehr rasch in die Sprechstunde
kommen sollte oder einige Tage warten könne, erläuterte Munz.

Die neue Richtlinie werde allerdings auch den Praxisablauf für
Psychotherapeuten wesentlich verändern, unterstrich er. So sei etwa
abzusehen, dass Patienten, wie in organmedizinischen Praxen, nicht
wie vereinbart in die Sprechstunde kommen. Dadurch entstünden
Einnahmeausfälle. «Das ist ein Problem für die
Psychotherapeutenpraxis, da diese nach Therapiestunden durchgeplant
ist.» Derzeit werde mit den Krankenkassen verhandelt, wie die
Sprechstunde und eine Akutbehandlung vergütet werden.

Aber auch ohne solche unkalkulierbaren Ausfälle sei zu erwarten, dass
es für die Praxen zu Mehrbelastungen komme, sagte Munz. Das könne
dann zu weiteren Versorgungslücken führen, da die Zahl der
Psychotherapeuten und damit die Therapiekapazität nicht zunehme.

Munz verlangte daher: «Die Bedarfsplanung in der Psychotherapie muss
dringend überarbeitet werden.» Sie müsse sich «endlich an der
Häufigkeit der Erkrankungen orientieren. Und sie muss auch regionale
Besonderheiten berücksichtigen.» Das könne bedeuten, dass
möglicherweise Praxissitze in den stark überversorgten Städten
geschlossen und dafür auf dem Land eröffnet werden sollten,
erläuterte der BPtK-Präsident.