Agenturmeldungen

Reform des Pflege-TÜV kommt - Heimbewertungen sollen besser werden

20.03.2019

Bislang ist der Pflege-TÜV mehr ein Ärgernis als eine Hilfe. Viel zu
oft gibt es sehr gute Noten für Pflegeheime in Deutschland. Nun gibt
es grünes Licht für eine Reform.

Berlin (dpa) - Nach jahrelangem Ringen startet im Herbst der neue
Pflege-TÜV für aussagekräftige Bewertungen von Pflegeheimen im
Internet. «Am 1. November beginnen in den Pflegeheimen endlich die
Prüfungen nach dem neuen Qualitätssystem», sagte Gernot Kiefer vom
Vorstand des GKV-Spitzenverbands der Deutschen Presse-Agentur in
Berlin. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen dadurch
aussagekräftige Bewertungen der Heime in Deutschland bekommen.

Die neu konzipierten Prüfungen sollen in eine informative Darstellung
über die Qualität der Pflegeheime münden. Abgelöst werden die
umstrittenen Pflegenoten, die so positiv ausfallen, dass kaum
Vergleiche möglich sind. Das zuständige Gremium, der erweiterte
Qualitätsausschuss von Krankenkassen und Heimbetreibern, gab in einer
internen Sitzung am Dienstagabend grünes Licht für die Reform, wie
die dpa aus Verhandlungskreisen erfuhr.

Kiefer sagte: «Bereits im Frühjahr 2020 werden erste Ergebnisse
veröffentlicht und bis Ende 2020 soll jedes Heim nach den neuen
Regeln geprüft worden sein.» Die neue Transparenz über die
Pflegequalität sei ein Fortschritt für die Bewohner und deren
Angehörige. «Sie war längst überfällig», betonte Kiefer.

Bereits 2015 hatte der Gesetzgeber die Pflegeeinrichtungen, -kassen
und Kommunen beauftragt, bis März 2017 ein neues Prüfverfahren zu
entwickeln. Aber es gab immer wieder Verzögerungen. Seit vergangenem
Herbst liegen den Heimbetreibern und Krankenkassen Empfehlungen von
Wissenschaftlern für einen neuen Pflege-TÜV vor. Die Situation in den
Einrichtungen soll erstmals realistisch erfasst und für alle
verständlich dargestellt werden.

Gemessen werden soll zum Beispiel, wie gut es einem Heim gelingt, die
Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag der Bewohner zu erhalten
oder schwere Stürze zu vermeiden. Deutlich soll etwa auch werden, ob
in einem Heim zum Beispiel seit langer Zeit kein Bewohner mehr wund
gelegen ist. Kiefer sagte, das neue System biete umfassende
Orientierung durch eine Vielzahl von Informationen.

«Gute und weniger gute Qualität wird erkennbar», versprach der
Vorstandsvertreter des Kassen-Spitzenverbands. Neben den Ergebnissen
der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Kassen sollen
weitere Informationen in die Darstellung der Qualität der Heime
eingehen. So sollen die Einrichtungen selbst zentrale Kriterien
messen und diese Informationen dann weitergeben.

Die veralteten Pflegenoten sollen noch so lange einzusehen sein, bis
sie durch die aktuelle Informationen ersetzt werden. Bereitgestellt
werden sollen die Informationen in Portalen der gesetzlichen Kranken-
und Pflegekassen wie dem «Pflegelotsen». In den Pflegeeinrichtungen
sollen die Infos über die Qualität auch aushängen.