Agenturmeldungen

RKI: Zahl der Masern-Infektionen steigt - mehr Fälle als 2016

09.03.2017

Es ist nur ein kleiner Piks, doch noch immer lassen sich in
Deutschland zu wenig Menschen gegen Masern impfen. Vor allem für
Babys kann das sehr gefährlich werden. Gerade gibt es wieder
Ausbrüche in Duisburg und Leipzig.

Berlin (dpa) - Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) rechnet in
Deutschland für 2017 mit einem größeren Masern-Problem als im
Vorjahr. «Wir befürchten, dass es in diesem Jahr wieder mehr
Masernfälle geben wird», sagte Dorothea Matysiak-Klose, RKI-Expertin
für Impfprävention, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.
«Masernfälle gibt es zurzeit zum Beispiel in Duisburg und Leipzig.
Insgesamt erwarten wir leider, dass die Fallzahlen noch weiter
steigen werden.» Bis zum ersten März wurden beim RKI bundesweit
bereits 203 bestätigte Masern-Infektionen registriert. 2016 waren es
insgesamt 326.

«Im Moment verbreiten sich Masern vor allem innerhalb von Familien.
Aber auch Schulen sind betroffen», sagt die RKI-Expertin. Grund dafür
seien vor allem Impflücken bei Kleinkindern, Jugendlichen und jungen
Erwachsenen. Nur wenn die Immunität in einer Region hoch sei, habe
das Virus schlechte Chancen. Dieser gemeinsam erzeugte Schutz bewahre
dann auch Menschen vor Ansteckung, die aus unterschiedlichen Gründen
nicht oder noch nicht geimpft werden konnten.

Schon seit langem herrscht Konsens darüber, dass Masern keine
harmlose Kinderkrankheit sind. Die Infektion ist hochansteckend und
schwächt das Immunsystem. In seltenen Fällen endet sie sogar tödlich.

Kleinkinder können erst ab neun Monaten immunisiert werden. Deshalb
sind Impfungen oder eine durchgemachte Erkrankung vor einer
Schwangerschaft wichtig. Denn Schwangere, die selbst keinen Schutz
gegen Masern haben, können ihn auch nicht weitergeben. Immunisierte
Mütter sorgen hingegen in den ersten Monaten für einen Nestschutz bei
ihren Babys. Während der Schwangerschaft darf nicht mehr gegen Masern
geimpft werden.

«Gefährlich sind Masern vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern.
Bei ihnen gibt es häufiger Komplikationen als bei Älteren», sagt
Matysiak-Klose. Darüber hinaus bestehe eine erhöhte Gefahr einer
schweren Gehirnerkrankung, die erst Jahre später zum Tragen kommt und
tödlich endet. «Sie ist sehr selten. Aber das Risiko ist
wahrscheinlich doch höher als man früher gedacht hat», ergänzt die
Impf-Expertin.

Eine zweite Masern-Impfung sollte bis zum Ende des zweiten
Lebensjahrs erfolgen. Allerdings sind nach RKI-Angaben nur rund 70
Prozent der Zweijährigen in Deutschland auch zweimal geimpft.
Wünschenswert wären 95 Prozent». Bis zum Schulbeginn holen Eltern die
Immunisierung oft nach - nach Meinung der Experten zu spät. Wie groß
die Impflücken in Deutschland sind, zeigte sich zuletzt 2015. Mit
über 2400 Masernfällen bundesweit war das ein Ausnahmejahr - der
höchste Wert seit 2002. In Deutschland schwanken die Zahlen der
Masernfälle sehr stark, so gab es 2004 nur 123 registrierte
Erkrankungen.

Ein löchriger Impfschutz in der Bevölkerung wird auch sichtbar, wenn
Masern aus anderen Ländern eingeschleppt werden. In einer ausreichend
immunisierten Bevölkerung wäre eine große Ansteckungswelle nicht
möglich.

Nach RKI-Einschätzung wäre es bei dieser Lage sinnvoll, bei
Kinderimpfungen den Masern-Status der Eltern gleich mit zu überprüfen
- und Impfungen bei fehlendem Schutz nachzuholen. Bei jungen
Erwachsenen wäre es empfehlenswert, sie bei Arztbesuchen nach dem
Masern-Impfstatus zu fragen und ebenfalls nachzuimpfen, zum Beispiel
beim Frauenarzt.

Das Problem mit den heutigen Lücken liegt auch an alten
Impfempfehlungen. Für die Jahrgänge 1973 bis 2001 war zum Beispiel
nur eine Masern-Impfung vorgeschrieben. Die zweite sollte nach dem
heutigen Wissensstand bei Menschen, die nach 1970 geboren sind,
nachgeholt werden.