Agenturmeldungen

Stiftung Patientenschutz will bessere Grippe-Impfung per Eilverfahren

28.02.2018

Die Grippewelle rollt durch Deutschland. Wäre der offiziell
empfohlene Impfstoff schon Standard, wäre sie wohl weniger groß. Doch
bis die Kassen diese Impfung zahlen müssen, dauert es noch.

Berlin (dpa) - Zum Höhepunkt der Grippewelle in Deutschland fordert
die Deutsche Stiftung Patientenschutz einen besseren Impfschutz der
Bevölkerung per Eilverfahren. «Bis heute übernehmen nicht alle
Krankenkassen die wichtige Vierfach-Impfung», sagte Vorstand Eugen
Brysch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Gezahlt wird häufig
nur der halb so teure Dreifach-Wirkstoff.»

In einem Beitrag für die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks
Deutschland (Mittwoch-Ausgaben) betonte Brysch: «Dabei fehlt der
Dreifachimpfung ein entscheidender Influenzastamm, der für
zahlreiche, teils schwerwiegende Erkrankungen verantwortlich ist.»

Im November hatte die Ständige Impfkommission des
Robert-Koch-Instituts (STIKO) die Vierfach-Impfung gegen Grippe
empfohlen. Gerade in der aktuellen Saison hilft der Dreifachimpfstoff
laut Experten nur bedingt, weil er weniger Viren abdeckt. Bestimmte
Influenza-B-Viren, die rund die Hälfte der bisher nachgewiesenen
Fälle verursacht haben sollen, werden nur durch die Vierfachimpfung
abgedeckt.

Schutzimpfungen sind seit 2007 Pflichtleistungen der gesetzlichen
Krankenkassen. Der für den Leistungskatalog der Kassen zuständige
gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte im Januar mitgeteilt, nach
der STIKO-Empfehlung zügig über eine Aufnahme des Vierfachstoffs in
die Pflichtleistungen der Kassen zu beraten.

«Hierfür besteht eine gesetzliche Frist von maximal drei Monaten»,
sagte G-BA-Chef Josef Hecken. Ansatzpunkte für Klagen über eine
Benachteiligung von Kassenpatienten gegenüber Privatversicherten, die
die Impfung eher erstattet bekommen, biete der Fall nicht. Bisher
habe der G-BA STIKO-Empfehlungen in den meisten Fällen übernommen.

Brysch kritisierte, heute seien chronisch und schwerstkranke Menschen
beim Grippeschutz auf das Wohlwollen ihrer Krankenkasse angewiesen.
Dass der Gemeinsame Bundesausschuss die Entscheidung über die
Vierfach-Impfung erst für April treffen wolle, sei viel zu spät für
die diesjährige Grippesaison. «Deshalb muss der Gesetzgeber für
solche Gefährdungssituationen ein Eilverfahren einführen.» Der G-BA
mit Spitzenvertretern von Ärzten, Kassen und Kliniken ist das höchste
Entscheidungsgremium des Gesundheitswesens.

Zuletzt hatte die Grippewelle in Deutschland einen neuen Höhepunkt
erreicht. In der dritten Februarwoche registrierte das
Robert-Koch-Institut rund 24 000 Grippefälle. Mindestens 136 Menschen
starben nachweislich nach einer Influenza-Infektion - vorwiegend
Menschen im Seniorenalter, die oft Vorerkrankungen hatten.