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Studie: Prävention kann Zahl der Demenzfälle erheblich verringern

20.07.2017

Demenzkrankheiten wie Alzheimer sind noch immer unheilbar. Die
Forschung konzentriert sich deshalb auf vorbeugende Maßnahmen - und
hat neun verschiedene Risikofaktoren identifiziert.

London (dpa) - Die Zahl der weltweiten Demenz-Fälle ließe sich
erheblich reduzieren, wenn die Risikofaktoren konsequent und von
Kindheit an bekämpft würden. Zu diesem Ergebnis kommen internationale
Experten in einem Artikel im Fachmagazin «The Lancet». In der Jugend
sei mangelnde Bildung einer der wesentlichen Risikofaktoren. Im
mittleren und höheren Lebensalter wirkten sich Übergewicht, hoher
Blutdruck, Hörverlust oder soziale Isolation nachteilig aus.

Insgesamt hatten die Wissenschaftler um Gill Livingston vom
University College London (Großbritannien) neun Risikofaktoren für
verschiedene Demenz-Krankheiten identifiziert und bewertet. Dazu
zählen auch Depression, Diabetes, Rauchen sowie mangelnde Bewegung.
Würden alle diese Risikofaktoren vollständig beseitigt, könnte die
Zahl der weltweiten Demenz-Fälle um etwa ein Drittel sinken,
berechneten die Forscher.

Eine gute schulische Ausbildung sei demnach eine besonders wichtige
vorbeugende Maßnahme. Sie erhöhe die kognitiven Fähigkeiten und die
Belastbarkeit des Gehirns. Hätten alle Kinder auf der Welt
schlagartig Zugang zu ausreichender Bildung, ließe sich beinahe jeder
zehnte Fall (acht Prozent) von Demenz vermeiden, berechneten die
Autoren. Nur der Verlust des Gehörs habe größere negative
Auswirkungen als mangelnde Schulausbildung.

Allerdings schränken die Wissenschaftler ein: «Die Zahlen sollten mit
Vorsicht interpretiert werden, weil es nicht möglich ist, alle
Risikofaktoren vollständig auszuschalten». Zudem seien bei den
Berechnungen manche potenziellen Risikofaktoren nicht berücksichtigt
worden, etwa Alkoholkonsum oder Schlafmangel.

Bis zum Jahr 2050 rechnen die Forscher mit rund 131 Millionen
Demenzkranken weltweit. 2015 lag die Zahl der Betroffenen noch bei 47
Millionen. In reichen Ländern wie den USA, Großbritannien, Schweden,
Niederlande und Kanada ging der Studie zufolge die Zahl der
Krankheitsfälle zuletzt zurück. Sollten dort Risikofaktoren wie
Übergewicht und damit zusammenhängende gesundheitliche Probleme
weiter zunehmen, würde sich dieser Trend aber schnell wieder
umkehren.

«Die Autoren machen zu Recht auf die Bedeutung und das gewaltige
Potenzial von Prävention durch Veränderungen des Lebensstils und von
Umweltfaktoren aufmerksam», kommentiert Monique Breteler, Direktorin
für Populationsbezogene Gesundheitsforschung am Deutschen Zentrum für
Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn. Noch zu klären sei
allerdings, welche der Faktoren tatsächlich kausale Auswirkungen auf
die Krankheit haben.

«Die Forschergruppe empfiehlt ein nachvollziehbares Aktionspaket, das
das globale Vorgehen gegen Demenz auf wissenschaftlicher Basis
ergänzt», schreibt auch Martin Prince vom Institut für Psychiatrie,
Psychologie und Neurowissenschaften am Londoner King's College in
einem Kommentar zu der Studie.