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Tropeninstitut: Medizin-Nobelpreise mit politischer Botschaft

05.10.2015

Hamburg/Stockholm (dpa) - Der Medizin-Nobelpreis für Therapieansätze gegen Parasiten-Krankheiten wie Malaria und Flussblindheit hat nach Einschätzung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin auch eine politische Botschaft. «Beide Wirkstoffe sind aus biologischen Materialien gewonnen worden», sagte der Parasitologe Egbert Tannich am Montag in Hamburg. «Darum ist es wichtig, die biologische Vielfalt zu erhalten, damit wir auch in Zukunft solche Wirkstoffe isolieren können. Außerdem geht es in beiden Fällen um Krankheiten, die besonders in armen Ländern viele Menschen betreffen.»

Die Entdeckung des Malaria-Wirkstoff Artemisinin sei wichtig gewesen, weil ständig neue Resistenzen entstünden, so der Professor.  «Darum brauchen wir immer wieder neue Medikamente. Und es hatte sich kein neues abgezeichnet. Da waren wir froh, dass dieses neue Medikament dazugekommen ist, denn wir hatten zunehmend Probleme, die schweren Verlaufsformen der Malaria zu behandeln. Leider ist es inzwischen so, dass sich auch gegen Artemisinin Resistenzen entwickeln.» Damit sei zu befürchten, dass auch diese «Waffe» stumpf werden könnte.

Der Wirkstoff Avermectin sei eigentlich als antiparasitäres Mittel für Tiere entwickelt worden, sagte der Leiter der Sektion Parasitologie am Institut. Es wirke aber auch bei Wurmerkrankungen des Menschen. «Beide Wirkstoffe sind zwar patentgeschützt, werden den armen Ländern aber kostenlos zur Verfügung gestellt.»