Agenturmeldungen

Umfrage: Mehrheit für völliges Verbot von Tabakwerbung

25.02.2019

Rauchen ist gesundheitsschädlich - das bestreitet niemand. Experten
drängen daher seit Jahren, Reklame auch auf Litfaßsäulen und Co. zu
untersagen. Aber wie kämen einschneidende Beschränkungen an?

Berlin (dpa) - In der Debatte über weitere Maßnahmen zum Schutz der
Gesundheit ist laut einer Umfrage die große Mehrheit der Bundesbürger
für ein Ende der Tabakwerbung - und für höhere Tabaksteuern. Ein
vollständiges Werbeverbot befürworten 69 Prozent, wie die Umfrage im
Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft
ergab. Dagegen sind 27 Prozent. Eine höhere Besteuerung begrüßten
sogar 75 Prozent, ablehnend äußerten sich 23 Prozent. Auch bei
Alkohol gibt es demnach eine Mehrheit für entsprechende Maßnahmen.

In die lange festgefahrene Diskussion um ein Verbot der Tabakwerbung
auf Plakatflächen ist Bewegung gekommen. Die Fachpolitiker der Union
einigten sich darauf, dass die bestehenden Beschränkungen auch auf
Außenwerbung ausgeweitet werden sollten. Es soll aber nicht um ein
Pauschalverbot gehen. In der vorigen Wahlperiode war ein Anlauf am
Widerstand der Union gescheitert. Das Kabinett stimmte 2016 einem
Entwurf zu, ein Gesetz wurde daraus nie. Verboten ist Tabakwerbung
etwa schon in Radio und Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften.

Am größten ist die Zustimmung zu einem vollständigen Werbeverbot laut
der Umfrage nun bei den 18- bis 29-Jährigen mit 77 Prozent. Geringer
fällt sie mit 66 Prozent bei den Befragten ab 45 aus. Ein komplettes
Verbot findet bei Frauen (72 Prozent) größere Unterstützung als bei
Männern (66 Prozent) - und auch bei Nichtrauchern (72 Prozent) als
bei Rauchern (59 Prozent), wie die Umfrage ergab. Befragt wurden vom
4. bis 8. Februar 1003 Menschen ab 18 Jahren vom Institut Forsa.

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach erklärte am Montag, seine Partei
wolle seit langem ein Tabakwerbeverbot, scheitere aber immer wieder
an der CDU. «Wann sind die Kollegen endlich so weit, das Überleben
der Kinder von heute durch Umwelt- und Verbraucherschutz höher zu
werten als Lobby- und Wirtschaftspolitik?», schrieb er bei Twitter.

Auch andere Gesundheitsexperten fordern seit längerem schärfere
Werberegeln. Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU)
argumentiert, sie könne den Satz nicht mehr hören, Tabak sei legal,
deshalb müsse Werbung erlaubt sein. Bei 120 000 Tabaktoten im Jahr
könne man sich nicht zurücklehnen. Der Deutsche Zigarettenverband
warnte dagegen kürzlich anlässlich einer Anhörung im Bundestag, ein
vollständiges Verbot wäre ein «unverhältnismäßiger
Grundrechtseingriff» in die Freiheit zu werben. Maßgebend für den
Rauchbeginn besonders von Minderjährigen sei das Rauchverhalten in
Freundeskreis und Familie - nicht die Werbung für Tabakerzeugnisse.

Eine Ausdehnung von Rauchverboten auf den gesamten öffentlichen Raum
- also etwa Parks, Straßen und Plätze - findet laut der Umfrage für
die Versicherungswirtschaft dagegen keine Mehrheit. Dafür sprachen
sich 42 Prozent der Befragten aus, 54 Prozent lehnten dies aber ab.

Eine Mehrheit der Bundesbürger würde demnach aber auch ein völliges
Verbot von Alkoholwerbung begrüßen. Dafür sprachen sich 58 Prozent
der Befragten aus, 36 Prozent lehnten das ab. Eine höhere Besteuerung
von Alkohol befürworten 59 Prozent, 37 Prozent sind dagegen.