Audiobeiträge

O-Ton-Paket "Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in Pflegeheimen"

Hermann Gröhe

Bundesminister für Gesundheit, CDU

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FRAGE 1 In Pflegeberufen und sozialen Berufen fehlen massiv qualifizierte Fachkräfte Arbeitsplätze. Was bedarf es an Rahmenbedingungen, um den Beruf attraktiver zu gestalten?

Gröhe Die wachsende Zahl der Pflegebedürftigen in diesem Land braucht Menschen, die mit hoher Qualifikation aber auch mit menschlichen Fähigkeiten, ja, mit Herzenswärme dieser Aufgabe nachkommen. Und die gute Nachricht ist: Noch nie haben so viele Menschen eine Ausbildung in einem Pflegeberuf begonnen wie heute! Aber das muss uns alle miteinander, das gilt für die einzelne Einrichtung und die Mitarbeitenden-Vertretung wie für die politisch Verantwortlichen auf Länder- oder Bundesebene veranlassen dafür zu sorgen, dass die Rahmenbedingungen so sind, dass man nach zehn Jahren als Pflegekraft sagt: Jawohl, ich hab mich vor zehn Jahren nach der Schule für eine spannende, für eine schöne Aufgabe entschieden. Wir treiben voran Themen wie Entbürokratisierung. Durch eine veränderte Pflegedokumentation lässt sich ein Wunsch vieler Pflegefachkräfte umsetzen, zu sagen: Mehr Zeit für Pflegebedürftige, weniger fürs Papier! Wir sagen sehr deutlich, dass wir von den Verhandlungspartnern auf Landesebene, die 2012 gesagt haben: Wir überarbeiten die Personalschlüssel, das, nachdem dies ein Drittel getan hat, zuletzt die Länder Bayern, Saarland und Rheinland-Pfalz, dass dies Schule macht, dass in allen Bundesländern dieses umgesetzt wird, zumal die Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, also einer individuelleren Pflege, überall eine Überprüfung der Personalschlüssel erforderlich macht und wir werden auch auf Bundesebene die Selbstverwaltungspartner mit der Entwicklung von Methoden und der Erprobung von Methoden zur sachgerechten Personalbemessung beauftragen. All dies, selbstverständlich auch eine faire Vergütung, soll dazu beitragen, dass wir die deutlich anwachsende Zahl der Pflegebedürftigen, über eine Million mehr in den nächsten 15 Jahren, dann auch entsprechend mit gut ausgebildeten Pflegekräften gut und versiert und menschlich zugewandt pflegen können. Dazu wird auch ein Pflegeberufegesetz und eine Zusammenführung der Ausbildung in der Kinder-, Kranken- und Altenpflege einen wichtigen Beitrag leisten.

FRAGE 2 Was ist die Botschaft bzw. das Ziel des jüngst betroffenen Präventionsgesetzes?

Gröhe Die Kernbotschaft des Präventionsgesetzes lautet: Es ist nie zu früh und nie zu spät durch einen gesundheitsfördernden Lebensstil selbst Lebensqualität, Gesundheitserhaltung und Vermeidung oder Verzögerung von Pflegebedürftigkeit zu befördern, zu unterstützen. Wir wollen einen deutlichen, mehr Aufwuchs der finanziellen Mittel der gesetzlichen Krankenversicherung, übrigens aber auch eine Beteiligung der privaten Krankenversicherung mit dem Ziel, in den Lebenswelten, Kita, Schule, Arbeitsplatz, aber auch in der Altenpflege. Wir haben erstmalig einen Präventionsauftrag in der stationären Altenpflege auch im Präventionsgesetz als Pflicht der sozialen Pflegeversicherung verankert. Also in all diesen Bereichen so zu gestalten, dass Gesundheitsförderung groß geschrieben wird. Und das meint eben auch ganz stark die Arbeitswelt, betriebliche Gesundheitsförderung. Und hier halte ich es für zwingend geboten angesichts der besonderen körperlichen, aber auch psychischen Herausforderung der vielen Menschen, die in der Pflege arbeiten, über eine Million in den Krankenhäusern, eine Million in der Altenpflege, dass wir in diesem Bereich auch die guten Beispiele, die es hier gibt, weiterentwickeln und zu einem Bestandteil jedweder Unternehmenskultur machen, die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Hinblick auf körperliche und psychische Belastungen, sehr viel stärker noch in den Blick zu nehmen. 

FRAGE 3 Was kann Betriebliches Gesundheitsmanagement in Betrieben leisten?

Gröhe Zufriedene Mitarbeiter können ihre Arbeit besser tun und gesunde Mitarbeiter ebenfalls. Und viele Berufe, aber eben auch Pflegeberufe, sind mit großen körperlichen, aber auch durchaus psychischen Herausforderungen verbunden. Und da einen Beitrag dazu zu leisten, dass Mitarbeitende lernen etwa körperliche Belastungen, wenn sie vermeidbar sind, zu vermeiden. Das beginnt beim Eintrainieren besserer Handgriffe, der Vermeidung von unnötigen Rücken- oder Muskulaturbelastungen. Das geht weiter über gute Begleitung, auch Supervision, im Hinblick auf psychische Belastungen. Ich denke an den Umgang mit Gebrechlichkeit und Sterben, der ja auch immer eine starke Anfrage an die eigene Identität, an das Wissen um das eigene Risiko von Gebrechlichkeit, Gewissheit des eigenen Todes bedeutet. Da Menschen stark machen, macht sie zu zufriedeneren, aber auch zu leistungsfähigen Mitarbeitern, fördert die Identifikation. Wir haben viele Bereiche, wo sehr schnell der Arbeitsplatz gewechselt wird – ich denke, es ist ein gutes Zeichen auch einer Pflegeeinrichtung, wenn dort Menschen gerne auch einen längeren Zeitraum arbeiten. Auch betriebliche Gesundheitsförderung kann zur Identifikation mit dem eigenen Arbeitsplatz beitragen.


Franz Knieps

Vorstand BKK Dachverband e.V., Berlin

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FRAGE 1 Wo sehen Sie die Probleme von Pflegeberufen bzw. sozialen Berufen heute?

Knieps Gesundheits- und Pflegeberufe haben eine hohe physische Belastung. Sie müssen oft hohe körperliche Leistungen erbringen. Es ist anstrengend, jemand zu waschen, jemand aus dem Bett zu heben, Betten zu machen, Räume zu säubern, umzugestalten, Leuten immer wieder behilflich sein, gehen zu können. Aber noch schlimmer ist eigentlich die psychische Belastung, mit Krankheit, oft auch mit Tod umgehen zu müssen. Das erfordert schon eine starke Konstitution.

FRAGE 2 Wie lassen sich soziale Berufe heute attraktiver zu gestalten?

Knieps Der Minister hat in der Veranstaltung heute ja darauf aufmerksam gemacht, dass wir einen Rekordstand von Azubis haben bei Gesundheits- und Pflegeberufen. Das heißt also, so unattraktiv kann der Beruf nicht sein. Es gibt also nach wie vor genügend junge Menschen, die bereit sind, einen Gesundheits- und Pflegeberuf zu ergreifen. Was mir ein bisschen Stirnrunzeln verursacht ist die Tatsache, dass viele Menschen schon nach kurzer Zeit ausgepowert sind in diesem Beruf, sich nach einer Alternative umsehen. Darauf müssen wir reagieren. Es muss Aufstiegsmöglichkeiten in diesem Beruf geben, die Kritik an Arbeitsbedingungen, an Status, an Akzeptanz, muss ernst genommen werden. Dann, glaube ich, kann man vermitteln, dass das ein toller Beruf ist, dass viele persönliche Erfahrungen gemacht werden, die man nicht missen möchte. Man hat es immer mit Menschen zu tun. Und Berufe mit Menschen, beispielsweise in den Medien, haben Zukunft!

FRAGE 3 Wie sollten die Rahmenbedingungen aussehen, um Mitarbeiter in sozialen und Pflegeberufen zu motivieren?

Knieps Die wichtigste Motivation ist die Wertschätzung. Führungskräfte müssen die Arbeit wertschätzen. Sie müssen loben, sie müssen Anerkennung zeigen. Das ist das Allerwichtigste in jedem Beruf. Und das wird in Gesundheits- und Sozialberufen nicht so häufig gemacht wie in anderen Berufen. Daneben muss es eine adäquate Bezahlung geben. Da hat sich viel verbessert in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Es muss eine gesellschaftliche Anerkennung geben. Wir haben immer noch eine Pyramide der Gesundheitsberufe, wo oben der Arzt steht und wo weit darunter die Pflegekräfte stehen. Und von einzelnen Ärztefunktionären werden sie zudem noch beleidigt als Proletariat des Gesundheitswesens. Das muss sich ändern. Da muss Augenhöhe geschaffen werden. Medizin ist notwendig, erfordert ein sehr langes Studium. Aber auch Pflege ist notwendig, erfordert eine sehr komplexe Ausbildung. Beide Berufe haben ihre Berechtigung im Gesundheitswesen. Und das muss insbesondere der Arzt, die Ärztin anerkennen. 

FRAGE 4 Was kann Betriebliches Gesundheitsmanagement in Betrieben leisten?

Knieps Erster Schritt ist eine sorgfältige Analyse der Arbeitsbedingungen zu machen. Also Basis eines jeden betrieblichen Gesundheitsmanagements ist der Gesundheitsbericht, der auf den Betrieb bezogen ist. Dazu müssen Mitarbeiter und Führungskräfte interviewt werden, Schwachstellen, aber auch Stärken herausgearbeitet werden. Dann setzt ein partizipativer Prozess ein. Unternehmensleitung, Führungskräfte, Mitarbeitervertretungen und Betriebsräte und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst müssen Maßnahmen priorisieren, müssen Verbesserungsvorschläge machen und gemeinsam muss das umgesetzt werden. Das Ganze sollte wissenschaftlich begleitet werden, denn auf der Basis von jahrzehntelangen Erfahrungen haben sich Standardtools herausgebildet, die man nicht einfach eins zu eins übertragen kann, von denen man aber in verwandten Branchen voneinander lernen kann. Und das ist ein komplexer Prozess, der über Jahre hinweg gesteuert werden muss, der gelebt werden muss. Wenn die oberste Führungsebene, wenn die direkte Führungskraft nicht mitmacht, ist der Anreiz und die Vorbildwirkung gering. Wenn das Ganze nicht nachhaltig ausgelegt ist, treten Wirkungen gar nicht oder nur äußerst schwach ein. Es muss also von Anfang an klar sein, dass es sich um einen längerwierigen, dauerhaften, neudeutsch: nachhaltigen Prozess handelt.



Andreas Flöttmann

Vorstand BKK Diakonie, Bielefeld

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FRAGE 1 Leistung, Effizienz, Flexibilität – unsere heutige Arbeitswelt stellt hohe Anforderungen an den einzelnen Mitarbeiter. Dessen Gesundheit spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Sie setzen sich für ein Umdenken in den Betrieben ein. Wie stellt sich Ihr Ansatz dar?

Flöttmann Ich denke, dass gute Unternehmen, gesunde Unternehmen mit einer Zukunft, die tragfähig ist, gesunde Mitarbeiter brauchen, Mitarbeiter, die Spaß an der Arbeit haben, die motiviert sind, die ihre Arbeit verstehen, die ihre Arbeit schaffen können, die einen Sinn darin sehen, was sie machen. Und das geht nicht als Gegenpol zu Leistung, Effizienz und Flexibilität, sondern das führt im Grunde genommen zu mehr Leistung, zu mehr Effizienz und zu mehr Flexibilität und stärkt das Unternehmen insgesamt. Insofern haben alle was davon.  

FRAGE 2 Laut neuestem BKK Gesundheitsatlas verzeichnen insbesondere die sozialen Berufe überdurchschnittlich häufige Fehltage, verursacht allem voran durch psychische Erkrankungen. Wo sehen Sie das Problem gerade bei dieser Berufsgruppe?

Flöttmann In sozialen Berufen haben wir eine starke Arbeitsverdichtung, wir haben einen Fachkräftemangel, es gibt Einsparvorgaben, so dass auf die Mitarbeiter immer mehr Arbeit zukommt, ein hoher Termindruck da ist, ein großer Anspruch an Flexibilität. Und so steigen Fehltage aufgrund von psychischer Erkrankung. Und man bedenke, dass hierdurch auch ein starker volkswirtschaftlicher Schaden entsteht, denn jeder Fehltag, so ist es berechnet, kostet die Volkswirtschaft 400 Euro.

FRAGE 3 Wie lässt sich dem Problem steigender Fehltage wegen psychischer Erkrankungen entgegensteuern?

Flöttmann Ja, Pflegeeinrichtungen sind gut beraten mit ihren Mitarbeitern gemeinsam danach zu schauen, was gesunde Arbeit erhalten kann und nicht alleine darauf zu setzen, Krankheit zu vermeiden und im Rahmen des gesetzlichen Arbeitsschutzes nur Schaden zu vermeiden. Also schauen, was im salutegenen Ansatz von betrieblicher Gesundheit möglich ist. Und da gibt es so drei Punkte, die wichtig sind dabei: Das eine, die Arbeit muss für den Mitarbeiter schaffbar sein. Das andere, sie muss für ihn verstehbar sein. Also da sind wir bei der Qualifizierung. Und das Dritte ist besonders wichtig. Der Mitarbeiter muss einen Sinn darin erkennen können, was er tut, und sich eingegliedert fühlen eben in dem Gesamtbild des Unternehmens.   

FRAGE 4 Worauf sollten Führungskräfte achten, um ihren Mitarbeiter das Gefühl der Stimmigkeit ihrer Arbeit zu vermitteln, sie zu entlasten oder für ihre Arbeit zu motivieren?

Flöttmann Wichtig ist dabei, dass Führungskräfte genau hinschauen, was fehlt den Mitarbeitern, wo gibt es beim Mitarbeiter Schwierigkeiten, neigt jemand zu Burnout etc., also wirklich auch auf die Verhältnisse im Unternehmen zu schauen, auf die Organisation, auf die Abläufe und die Mitarbeiter – man merkt denen ja auch am Gesicht an, wie sie sich fühlen, mit ihnen ins Gespräch kommen und dabei eben darauf zu setzen, dass sie auch verlässliche Pausen haben, dass sie am Wochenende ein verlässliches, freies Wochenende haben. Das passiert viel zu wenig, denn der menschliche Körper und der menschliche Geist braucht einfach Erholung, Regeneration, so wie im Sport auch. Und da ist Resilienz das Stichwort. Also wie kann der Körper und wie kann der Geist sich tatsächlich aus einem anstrengenden Zustand wieder in einen völligen Ruhezustand begeben, um den nächsten anstrengenden Zustand auch wieder zu meistern.

Gertrud Bodach

Haus- und Pflegedienstleiterin Evangelisches Seniorenzentrum Hasenheyer-Stift, Potsdam

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FRAGE 1 Was müssen Menschen in sozialen und Pflegeberufen heute leisten bzw. mitbringen, um ihrem Job gewachsen zu sein?

Bodach Ein Pflegemitarbeiter hat körperliche hohe Belastungen. Er muss viel heben und viel tragen. Er muss am PC dokumentieren können, was er geleistet hat. Er muss medizinische Kenntnisse mitbringen. Und nicht zuletzt: Er muss Geduld aufbringen. Er muss zuhören können. Er braucht Einfühlungsvermögen und muss mit Stresssituationen umgehen können. (max.00‘23‘‘)


Thomas Glaubitz

Vorstandsvorsitzender Landesausschuss für Innere Mission, Potsdam

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FRAGE 1 Welche Maßnahmen haben Sie in ihrem Unternehmen getroffen, um Mitarbeiter für ihren Beruf zu motivieren?

Glaubitz Das ist bei uns ein ganzes Bündel. Beginnen wir mit dem Einsatzplan, sprich, Dienstplan, den wir immer wieder anpassen an die Bedürfnisse der Menschen. Wir sind ein familienfreundlicher Betrieb. Ein weiteres Thema: Einführung des Gesundheitsmanagements, der direkte Kontakt Vorgesetzter zum Mitarbeiter durch Jahresgespräche, Mitarbeitergespräche, wo wir sehr schnell auf Veränderungen, Bedürfnisse und Wünsche der Mitarbeiter reagieren können.  (max.00‘25‘‘)

FRAGE 2 Sie sagten Gesundheitsmanagement. Was genau verstehen Sie darunter? Wo setzt Gesundheitsmanagement an?

Glaubitz  Gesundheitsmanagement verstehen wir hier beim LafiM als Führungsinstrument. Es ist nicht damit gemeint, dass ich einen Mitarbeiter zur Rückenschule schicke, das ist schönes Beiwerk – auch wichtig! Wichtig bei uns, und das fängt beim Vorstand an, ist das unmittelbare Verständnis der Mitarbeiter und mit ihrem gesamtem Umfeld auch gerade der private Bereich, in dem oft Ursachen liegen, die sich dann in Krankheiten im Betrieb dann bemerkbar machen. (max.00‘27‘‘)


Marianne Krüger

Auszubildende zur Fachkraft für Altenpflege Evangelisches Seniorenzentrum Hasenheyer-Stift, Potsdam

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FRAGE 1 Wenn Sie Ihren Alltag in der Pflege mal kurz zusammenfassen – wie sieht der aus?

Krüger Naja, man steht auf mit dem Wissen man geht jetzt zur Arbeit, man hilft den Leuten, die sich nicht mehr alleine helfen können, man hilft ihnen in der täglichen Begleitung, vor allen Dingen bei der Körperpflege, in der Behandlungspflege, Betreuung, Begleitung am Tage. Man ist vor allem auch ein Seelenunterstützer in der Hinsicht, denn die Leute sind ja nicht nur dement oder körperlich beeinträchtigt, sondern sie sind ja auch hier, weil sie eben zu Hause nicht mehr klarkommen. Da ist es das Wichtigste, dass sie lernen sich wohl zu fühlen, dass sie mit ihrer Krankheit lernen umzugehen und dass ist halt unsere Aufgabe sie in der Hinsicht zu unterstützen. (max.00‘30‘‘)

FRAGE 2 Sie sagten Seelenunterstützerin. Die Anforderungen an eine Pflegekraft sind also nicht nur körperlicher, sondern vor allem auch seelischer Natur. Belastet Sie das persönlich?

Krüger Wir lernen die Leute hier kennen als völlig fremde Menschen. Wir leisten in erster Linie Biografiearbeit und lernen dadurch den alten Menschen nicht nur durch seine Krankheit zu sehen, sondern eben auch als Mensch durch seine Vergangenheit. Er wird dadurch auch sozusagen zu einem Freund für uns. Wir verbringen viel Zeit mit ihm und gerade, wenn dieser Mensch in dieser letzten Phase, der Sterbephase, sich befindet, ist es natürlich auch eine psychische Belastung für uns, diesen Menschen auch zu begleiten, wenn er jetzt geht, den letzten Weg geht und ja … (Seufzer/Pause am Ende unbedingt mitnehmen!) (max.00‘33‘‘)

FRAGE 3 Neben all den persönlichen Belastungen – wo sehen Sie die Probleme von Pflegeberufen, von sozialen Berufen heute?

Krüger Das Problem ist der demografische Wandel. Es gibt immer mehr ältere Leute, aber immer weniger junge Leute, die nachkommen. Und dadurch ist gerade in der Pflege das Zeitmanagement ein großes Problem. Es kommen immer mehr Zu-Pflegende auf immer weniger Pflegende. Dadurch geht auch ein wenig die Pflegequalität verloren. Daher würde ich mir in Zukunft wünschen mehr Aufklärungsarbeit zum Beispiel auch an Schulen, dass die Pflege einfach in den Medien auch mehr präsent gemacht wird, dass auch das Positive gezeigt wird. Denn immerhin verbringen wir hier Zeit mit netten alten Menschen. (max.00‘30‘‘)


Ben Macharia

Auszubildender zur Fachkraft für Altenpflege (Nairobi, Kenia) Evangelisches Seniorenzentrum Hasenheyer-Stift, Potsdam

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FRAGE 1 Was hat Sie bewogen Krankenpfleger hier in Deutschland zu werden? Was reizt Sie an dem Beruf?

Macharia Was ich schön finde an dem Beruf ist die Interaktion mit den Bewohnern, wenn wir uns zusammen unterhalten über verschiedene Sachen und weil jeder Tag anders ist und es gibt viele Aktivitäten, die man mit den Bewohnern macht. Es ist nicht so wie im Büro, wenn man den ganzen Tag sitzt von morgens bis abends. Diese Aktivitäten machen mir viel Spaß. (max.00‘32‘‘)

FRAGE 2 Sie sagten Seelenunterstützerin. Die Anforderungen an eine Pflegekraft sind also nicht nur körperlicher, sondern vor allem auch seelischer Natur. Belastet Sie das persönlich?

Macharia  Es gibt auch eine andere Seite von diesem Beruf, wenn die Bewohner reden über schlimme Sachen, zum Beispiel wenn sie viele Schmerzen haben und du hilfst bestimmte Medikamente zu geben, aber es reicht nicht, sie sagen Aua Aua. Oder wenn sie sagen: O ich kann nicht mehr oder ich will sterben oder so, das ist manchmal schwierig, ja … (Resignation/Pause bitte stehen lassen) (max.00‘25‘‘)