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Podcast "Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in Pflegeheimen"

Interview mit Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesundheit, Franz Knieps, Vorstand BKK Dachverband e.V., Andreas Flöttmann, Vorstand BKK Diakonie, Thomas Glaubitz, Vorstand Landesausschuss für Innere Mission, Marianne Krüger Pflegefachkraft, Azubi Hasenheyer-Stift, Ben Macharia, Azubi Hasenheyer-Stift.

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Transkript

KRÜGER Man steht auf mit dem Wissen man geht jetzt zur Arbeit, man hilft den Leuten, die sich nicht mehr alleine helfen können, man hilft ihnen in der täglichen Begleitung, bei der Körperpflege, in der Behandlungspflege, Betreuung, Begleitung am Tage. Man ist vor allem auch ein Seelenunterstützer in der Hinsicht.

SPRECHER Marianne Krüger ist Azubi. Auszubildende zur Fachkraft für Altenpflege im Potsdamer Hasenheyer-Stift. Ein Beruf dicht am Menschen:

KRÜGER Wir leisten in erster Linie Biografiearbeit und lernen dadurch den Menschen nicht nur durch seine Krankheit zu sehen, sondern eben auch als Mensch durch seine Vergangenheit. Er wird dadurch auch sozusagen zu einem Freund für uns. Wir verbringen viel Zeit mit ihm und gerade, wenn dieser Mensch in dieser letzten Phase, der Sterbephase, sich befindet, ist es natürlich auch eine psychische Belastung für uns, diesen Menschen auch zu begleiten, wenn er jetzt geht, den letzten Weg geht und ja …

SPRECHER Leid, Krankheit, Tod. Die Belastungen gerade pflegender Menschen sind enorm. Das wahrzunehmen, zu entlasten, wo die Belastung zu groß wird, tut dringend Not. Der Bundesminister für Gesundheit, Hermann Gröhe:

GRÖHE  Das beginnt beim Eintrainieren besserer Handgriffe, der Vermeidung von unnötigen Rücken- oder Muskulatur-Belastungen. Das geht weiter über gute Begleitung, auch Supervision, im Hinblick auf psychische Belastungen. Ich denke an den Umgang mit Gebrechlichkeit und Sterben, der ja auch immer eine starke Anfrage an die eigene Identität, an das Wissen um das eigene Risiko von Gebrechlichkeit, Gewissheit des eigenen Todes bedeutet. Da Menschen stark machen, macht sie zu zufriedeneren, aber auch zu leistungsfähigen Mitarbeitern.

SPRECHER Leistungsfähige, zufriedene Mitarbeiter – von diesem Ideal liegt die Wirklichkeit leider noch um einiges entfernt. Stress, Zeit- und Entscheidungsdruck, enorme Erwartungen sind der Alltag. Da verwundert kaum, dass Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in Sozialberufen überdurchschnittlich häufig vorkommen. Franz Knieps, Vorstand des Berliner BKK Dachverbands:

KNIEPS Was mir ein bisschen Stirnrunzeln verursacht ist die Tatsache, dass viele Menschen schon nach kurzer Zeit ausgepowert sind in diesem Beruf, sich nach einer Alternative umsehen. Darauf müssen wir reagieren. Es muss Aufstiegsmöglichkeiten in diesem Beruf geben, die Kritik an Arbeitsbedingungen, an Status, an Akzeptanz, muss ernst genommen werden. Dann, glaube ich, kann man vermitteln, dass das ein toller Beruf ist, dass viele persönliche Erfahrungen gemacht werden, die man nicht missen möchte. Man hat es immer mit Menschen zu tun. Und Berufe mit Menschen haben Zukunft!

SPRECHER Eine Zukunft, die allerdings wesentlich von den jeweilig herrschenden Arbeitsbedingungen abhängt.  Franz Knieps sieht dabei vor allem die Führungskräfte der Einrichtungen und Unternehmen in der Verantwortung:

KNIEPS Die wichtigste Motivation ist die Wertschätzung. Führungskräfte müssen die Arbeit wertschätzen. Sie müssen loben, sie müssen Anerkennung zeigen. Das ist das Allerwichtigste in jedem Beruf. Und das wird in Gesundheits- und Sozialberufen nicht so häufig gemacht wie in anderen Berufen. Daneben muss es eine adäquate Bezahlung geben.

SPRECHER Denn in die Gesundheit der Mitarbeiter zu investieren ist auch ein ökonomisches Argument. Jeder einzelne krankheitsbedingte Fehltag kostet die Unternehmen rund 400 Euro. Anders ausgedrückt – es geht um Verhältnisprävention. Andreas Flöttmann, Vorstand der BKK Diakonie in Bielefeld:

FLÖTTMANN Wichtig ist, dass Führungskräfte genau hinschauen, was fehlt den Mitarbeitern, wo gibt es beim Mitarbeiter Schwierigkeiten, neigt jemand zu Burnout etc., also wirklich auch auf die Verhältnisse im Unternehmen zu schauen, auf die Organisation, auf die Abläufe und die Mitarbeiter – man merkt denen ja auch am Gesicht an, wie sie sich fühlen, mit ihnen ins Gespräch kommen und dabei eben darauf zu setzen, dass sie auch verlässliche Pausen haben, dass sie am Wochenende ein verlässliches freies Wochenende haben.

SPRECHER Das Ziel sei, so Vorstand Andreas Flöttmann weiter, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Gesunde Arbeit statt der bloßen Vermeidung von Fehltagen:

FLÖTTMANN Pflegeeinrichtungen sind gut beraten mit ihren Mitarbeitern gemeinsam danach zu schauen, was gesunde Arbeit erhalten kann und nicht alleine darauf zu setzen, Krankheit zu vermeiden. Und da gibt es so drei Punkte, die wichtig sind dabei: Das eine, die Arbeit muss für den Mitarbeiter schaffbar sein. Das andere, sie muss für ihn verstehbar sein. Also da sind wir bei der Qualifizierung. Und das Dritte ist besonders wichtig. Der Mitarbeiter muss einen Sinn darin erkennen können, was er tut, und sich eingegliedert fühlen eben in dem Gesamtbild des Unternehmens.

SPRECHER Das Modell der BKK Diakonie trägt erste Früchte. Thomas Glaubitz, Vorstandsvorsitzender des Landesausschusses für Innere Mission in Potsdam:

GLAUBITZ Gesundheitsmanagement verstehen wir hier beim LafiM als Führungsinstrument. Es ist nicht damit gemeint, dass ich einen Mitarbeiter zur Rückenschule schicke, das ist schönes Beiwerk – auch wichtig! Wichtig bei uns, und das fängt beim Vorstand an, ist das unmittelbare Verständnis der Mitarbeiter und mit ihrem gesamtem Umfeld auch gerade der private Bereich, in dem oft Ursachen liegen, die sich dann in Krankheiten im Betrieb dann bemerkbar machen.

SPRECHER Seit anderthalb Jahren arbeitet auch Ben Macharia in der Altenpflege des Potsdamer Hasenheyer-Stifts, einer Einrichtung des LafiM. Er stammt aus Nairobi, Kenia. Auch er kennt die Schattenseiten des Berufs. Ein Grund, um aufzugeben? Nicht die Spur:

MACHARIA Was ich schön finde an dem Beruf ist die Interaktion mit den Bewohnern, wenn wir uns zusammen unterhalten über verschiedene Sachen und weil jeder Tag anders ist und es gibt viele Aktivitäten, die man mit den Bewohnern macht. Es ist nicht so wie im Büro, wenn man den ganzen Tag sitzt von morgens bis abends. Diese Aktivitäten machen mir viel Spaß.