Pressemitteilung

BKK Gesundheitsreport 2025

02.12.2025 – Vielfalt stärkt – Diskriminierung schwächt. Arbeitswelt braucht klare Regeln für gesunde Zusammenarbeit

Eine faire Behandlung, gelebte Vielfalt und diskriminierungsfreie Arbeitsbedingungen sind entscheidende Gesundheitsfaktoren für Beschäftigte in Unternehmen und Betrieben. Zu diesem Ergebnis kommt der heute veröffentlichte BKK Gesundheitsreport 2025 „Vielfalt und gesunde Arbeit“. Die zentrale Botschaft ist: Unternehmen, die Zugehörigkeit fördern, stärken die Motivation, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeitenden. 

„Betriebe sollten die unterschiedlichen Erfahrungen, Fähigkeiten und Lebensrealitäten ihrer Beschäftigten nicht als Bürde, sondern als Chance und Ressource begreifen und diese Vielfalt wertschätzen. Vielfalt im Betrieb oder Unternehmen kann ein wichtiger Erfolgsfaktor sein“, sagt Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes und Herausgeberin des BKK Gesundheitsreports. „Unsere Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass Vielfalt wirkt. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es wichtig, ein gesundheitsförderndes Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich die Beschäftigten wohlfühlen. Denn wo ein schlechtes Betriebsklima herrscht und Ausgrenzung stattfindet, steigt die psychische und körperliche Belastung. Wir brauchen klare Regeln, starke Führung und eine Kultur der Zugehörigkeit.“

Prof. Dr. Bertolt Meyer, Herausgeber des BKK Gesundheitsreports, unterstreicht die Bedeutung passgenauer Prävention. „In Zeiten anhaltend hoher Krankenstände ist eine wirkungsvollere Gesundheitsprävention in der Arbeitswelt notwendig ist. Wirkungsvoller heißt auch zielgruppenorientiert. Alleinerziehende Mütter in Pflegeberufen profitieren von anderen Angeboten als Produktionsmitarbeiter am Band. Wenn sich die Vielfalt der Arbeitswelt in einer Vielfalt von maßgeschneiderten Präventionsangeboten widerspiegelt, gewinnen am Ende alle.“

Fast ein Drittel der Befragten berichtet von Diskriminierungserfahrungen im Job. Am häufigsten werden diese aufgrund von Alter, Geschlecht oder gesundheitlichen Einschränkungen erlebt. Besonders betroffen sind dabei Jüngere. Beschäftigte mit Diskriminierungserfahrungen berichten häufiger von Konflikten, sind weniger zufrieden mit ihrer Arbeit und bewerten ihre Arbeitsfähigkeit schlechter als Kolleginnen und Kollegen ohne solche Erfahrungen. „Diskriminierung macht krank, Zugehörigkeit macht stark", erklärt Jan-Paul Goroncy, Projektleitung Vielfalt und Chancengleichheit bei HAMBURG WASSER. „Diversity Management bedeutet, ein Umfeld zu schaffen, in dem niemand einen Teil der eigenen Identität am Werkstor abgeben muss. Die Auseinandersetzung mit Vielfalt kann anstrengend sein, lohnt sich aber."

Gleichzeitig zeigt die Auswertung einer Beschäftigtenbefragung mit 3019 Teilnehmenden, dass die Mehrheit die Unternehmenskultur grundsätzlich als offen und gerecht erlebt. 68 Prozent der Befragten fühlen sich fair behandelt, gut die Hälfte hat gleiche Aufstiegs- und Entwicklungschancen. Zugleich kritisieren knapp 40 Prozent eine zu geringe Vielfalt in Führungspositionen. Deutliche Unterschiede zeigen sich nach Unternehmensgröße: Während große Unternehmen häufiger Richtlinien gegen Diskriminierung und Verantwortliche für Diversitätsmanagement benennen, fehlen solche Strukturen in kleineren Betrieben deutlich öfter. 

Grundsätzlich werden vielfältige Teams positiv bewertet: Viele Beschäftigte verbinden Diversität mit besseren Arbeitsergebnissen und einem besseren Miteinander. Allerdings erwartet rund ein Drittel mehr Konflikte, vor allem dort, wo persönliche Begegnung fehlt, beispielsweise im Homeoffice oder in der Leih- und Zeitarbeit. Mehr als die Hälfte der Befragten berichtet von betrieblichen Regelungen zum Schutz vor Diskriminierung und fast ein Drittel erlebt Diversitätsmanagement. Wo solche Strukturen existieren, werden Aufstiegschancen und Unternehmenskultur deutlich positiver bewertet. 

Auswertung der Arbeitsunfähigkeitsdaten:

Die Gesundheitsdaten unterstreichen den bestehenden Handlungsbedarf. Mit durchschnittlich 22,3 Fehltagen je Beschäftigten bleibt der Krankenstand im Berichtsjahr 2024 auf einem hohen Niveau. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle stagniert bei 1,96 je Beschäftigten. Die durchschnittliche Falldauer sinkt mit 11,4 Tagen auf einen neuen Tiefstwert. Die ist ein Hinweis auf viele Kurzzeitfälle, die vor allem durch Atemwegserkrankungen verursacht werden. Diese sind für mehr als jeden dritten Krankheitsfall verantwortlich. Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachen hingegen die meisten Ausfalltage, während psychische Störungen zwar seltener auftreten, aber im Schnitt über fünf Wochen zu Arbeitsunfähigkeit führen. 

Deutlich wird auch: Ältere Beschäftigte fehlen häufiger und länger. Frauen fehlen eher aufgrund psychischer Erkrankungen und Atemwegserkrankungen, während Männer stärker von Muskel-Skelett-Leiden und Verletzungen betroffen sind. Körperlich belastende Berufe, etwa in der Fertigung oder im Gesundheitswesen, weisen weiterhin besonders hohe Krankenstände auf.

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