Pressemitteilung

GKV-Tag Gesundheitskompetenz: Die Betriebskrankenkassen setzen auf Gesundheitsbildung in Schulen – die digitale Informationsflut darf nicht krank machen

16.09.2025 – Eine Zahl, die nachdenklich stimmt und gleichzeitig auch eine Erklärung bietet: 58,8 Prozent der Deutschen verfügen über eine zu geringe Gesundheitskompetenz. Tendenz steigend. Dieses Defizit an grundlegendem Gesundheitswissen kostet das deutsche Gesundheitssystem jährlich bis zu 20 Milliarden Euro. Anlässlich des heutigen GKV-Tages fordert der BKK Dachverband deshalb eine Bildungsreform: Gesundheitskompetenz, also die Aufklärung über Gesundheit und Ernährung, muss verbindlich in die Lehrpläne deutscher Schulen und in Ausbildungsberufe integriert werden.

„Gesundheitskompetenz ist die Schlüsselkompetenz für ein gesundes Leben und ein funktionierendes und bezahlbares Gesundheitssystem“, erklärt Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes. „Die Folgen mangelnder Gesundheitsbildung zeigen sich täglich: Fehlendes Wissen über Ernährung, Bewegung und Prävention führt zu ungesunden Lebensstilen und einer Fehlbelastung des Gesundheitssystems, wie überfüllten Notaufnahmen. Wichtige Gesundheitsinformationen bleiben unverstanden und auch digitale Gesundheitsangebote wie die elektronische Patientenakte und Videosprechstunden verpuffen wirkungslos.“

„Wir fordern kein eigenständiges Schulfach Gesundheit, sondern dass Gesundheitskompetenz in die Lehrerausbildung und Lehrerfortbildungen sowie in die existierenden Schulfächer wie Sachkunde, Biologie, Sport und Gesellschaftskunde integriert wird. Diese Forderung entspricht dem Prinzip ‚Health in All Policies‘ – Gesundheit in allen Lebensbereichen mitzudenken. Schule sollte mehr sein als nur die Vorbereitung auf den Beruf oder das Studium. Sie sollte auch ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche konsequent auf ein gesundes Heranwachsen und Erwachsenwerden vorbereitet werden. Damit das funktioniert, müssen Gesundheits- und Bildungspolitik zukünftig enger zusammenarbeiten“, so Klemm weiter.

Und es braucht Ziele zur Förderung der Gesundheitskompetenz. Jedes Kind muss lernen, Informationsquellen kritisch zu prüfen, datensensibel zu handeln, Apps sowie Tracker sicher zu nutzen. Die Lösung liegt in einer systematischen Bildung von Kindesbeinen an. Gesundheitskompetenz in der Schule muss weit über den Anatomieunterricht hinausgehen: 

„Schülerinnen und Schüler müssen lernen und positiv erleben, wie gute Ernährung, Bewegung und Vorsorge ihre Gesundheit beeinflussen. Aber Gesundheitskompetenz ohne Medienkompetenz funktioniert nicht. Kinder brauchen beide Kompetenzen, um Gesundheits-Fake-News zu identifizieren und in sozialen Netzwerken psychische Resilienz aufzubauen. Wir sehen eine alarmierende Zunahme psychischer Probleme bei Kindern und jungen Erwachsenen. Die Corona-Pandemie und der Druck durch soziale Medien beschleunigen diese Entwicklung. Gesundheitsbildung befähigt aber nicht nur junge Menschen besser mit Stress und den Herausforderungen ihres Alltags umzugehen, sondern fördert zudem Empathie und Verständnis für Krankheiten und Behinderungen und stärkt so auch das gesellschaftliche Miteinander“, erklärt Anne-Kathrin Klemm weiter.

Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die Bildung, Arbeitswelt, Pflege, Familie und gleichermaßen betrifft. Nur gemeinsames finanzielles und strukturelles Engagement entfaltet die volle Präventionswirkung.

Besondere Aufmerksamkeit benötigen dabei die vulnerablen Gruppen: ältere Menschen, Kinder und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Sie benötigen zielgruppengerechte, barrierefreie Angebote, die in ihre Lebenswelten integriert werden. 

„Der demografische Wandel und die Digitalisierung verstärken den Handlungsdruck“, warnt Klemm. „Wer heute nicht in Gesundheitsbildung investiert, wird morgen die Kosten einer überalterten, chronisch kranken Gesellschaft tragen müssen, die sich im komplexer werdenden Gesundheitssystem schon heute kaum mehr zurechtfindet. Die gesetzlichen Krankenkassen stehen bereit, diesen Wandel aktiv zu unterstützen, um ein Gesundheitssystem zu schaffen, das Prävention vor Reparatur stellt und Menschen befähigt, eigenverantwortlich für ihre Gesundheit zu sorgen. Das ist der stärkste Hebel für mehr Chancengerechtigkeit und gesunde Lebensjahre von Anfang an“, so Klemm.

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Torsten Dittkuhn
Referent Kommunikation & Social Media

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