Pressemitteilung

Internationaler Aktionstag für Frauengesundheit: Gleiche Symptome, andere Diagnose - Warum das Geschlecht in der Medizin endlich zählen muss

27.05.2026 – Heute ist Internationaler Aktionstag für Frauengesundheit. Ein Anlass, um einen unbequemen Missstand anzusprechen: Die Medizin ist auf einem Auge blind. Und dieses Auge heißt Ge-schlecht.

Gesundheit ist nicht geschlechtsneutral. Das weiß die Wissenschaft seit Jahrzehnten. Frauen und Männer unterscheiden sich in der Betroffenheit von Krankheiten, in der Symptomatik, im Krankheitsverlauf, bei der Wirkung von Arzneimitteln und im Umgang mit Versorgung. Trotzdem wird dieser Befund im medizinischen Alltag noch immer zu selten berücksichtigt. Der BKK Gesundheitsreport 2025 belegt das mit konkreten Zahlen.

Frauen verzeichnen rund 50 Prozent mehr Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen als Männer – 475 gegenüber 312 Ausfalltagen je 100 Beschäftigte. Männer wiederum fehlen häufiger wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen und Verletzungen. 

„Diese Unterschiede lassen sich nicht allein biologisch erklären. Die Psychologisierung von Erkrankungen ist der Elefant im Raum. Aber auch soziale Rahmenbedingungen spielen eine entscheidende Rolle: unterschiedliche Rollenbilder, Mehrfachbelastungen durch Care-Arbeit, diskontinuierliche Erwerbsverläufe. Wer das ignoriert, behandelt Symptome – aber nicht die Ursachen“, kommentiert Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes.

Die ambulanten Versorgungsdaten der Betriebskrankenkassen zeigen zudem: Frauen nutzen Gesundheitsleistungen häufiger und früher als Männer. Bei Erkrankungen des Urogenitalsystems war 2024 jede zweite Frau in ambulanter Behandlung, aber nur jeder fünfte Mann. Ein höherer Versorgungsanteil bedeutet dabei nicht zwingend eine höhere Krankheitslast – er kann auch auf ein unterschiedliches Inanspruchnahmeverhalten hinweisen. Genau diese Nuancen herauszuarbeiten muss eine geschlechtersensible Medizin leisten.

Doch genau hier liegt das Problem. Studien des Robert Koch-Instituts zeigen: Frauen erhalten – wie bereits angesprochen – bei ähnlichen Symptomen häufiger psychische Diagnosen, Männer eher körperliche. Das ist keine Kleinigkeit, keine Lappalie, über die man hinwegsehen könnte, denn: Dahinter steht eine strukturelle Fehlversorgung! Und sie betrifft beide Geschlechter – denn auch Männer profitieren von einer Medizin, die genauer hinschaut.

„Frauengesundheit auf Schwangerschaft und Menopause zu reduzieren greift einfach viel zu kurz. Das Geschlecht beeinflusst die Entstehung, Diagnose und Behandlung sehr vieler Erkrankungen. Eine Medizin, die das ignoriert, ist keine gute Medizin – für niemanden. Wir brauchen endlich eine geschlechtersensible Prävention und Versorgung, die die individuelle Lebenswirklichkeit der Menschen in den Mittelpunkt stellt, denn das stärkt die Versorgungsqualität. Wer die Unterschiede systematisch berücksichtigt, behandelt deutlich präziser, vermeidet unnötige Eingriffe und kann möglicherweise Komplikationen früher erkennen und verhindern. Das wäre eine echte patientinnen- und patientenorientierung", so Klemm weiter.

Der aktuelle BKK Gesundheitsreport 2025 widmet sich unter dem Titel „Vielfalt und gesunde Arbeit" genau diesem Thema und zeigt konkrete Ansätze, wie geschlechtersensible Prävention und Versorgung in der Praxis umsetzbar sind. Pauschale Angebote verfehlen ihre Zielgruppen, das ist keine neue Erkenntnis. Wirksame Gesundheitsförderung gelingt nur, wenn Menschen auch in ihrer Vielfalt wahrgenommen werden.

PDF herunterladen

Kontakt

Torsten Dittkuhn
Referent Kommunikation & Social Media

  • +49 30 2700 406 - 301
  • Nachricht schreiben
  • Visitenkarte herunterladen