12.05.2026 – Heute ist der Geburtstag von Florence Nightingale – das heißt auch, es ist Internationaler Tag der Pflege! Das diesjährige Motto lautet: „Unsere Pflegekräfte. Unsere Zukunft. Starke Pflegekräfte retten Leben." Das klingt nach „systemrelevant“ und wirft gleichzeitig die unbequeme Frage auf: Was tun wir eigentlich dafür, dass unsere Pflegekräfte selbst gesund bleiben?
Die Antwort liefern die Daten der Betriebskrankenkassen. Und die sind ernüchternd. Im Jahr 2024 fehlten Beschäftigte in der Altenpflege durchschnittlich 38,7 Tage pro Person – also über 73,5 Prozent mehr AU-Tage als der Gesamtdurchschnitt aller Beschäftigten (22,3 Tage). Beschäftigte in der Gesundheits- und Krankenpflege, im Rettungsdienst und in der Geburtshilfe kamen auf 28,9 Fehltage. Die Fachkräfte in der Altenpflege führen damit – trotz eines leichten Rückgangs gegenüber dem Vorjahr – die „traurige“ Rangliste aller Berufsgruppen an.
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„Starke Pflegekräfte retten Leben – aber starke Pflegekräfte sind keine Terminator! Sie fallen nicht wie im Film vom Himmel und reparieren sich selbst. 38,7 Fehltage in der Altenpflege sind kein Zufall, sondern unterstreichen auch die hohe Arbeitsbelastung von in der Pflege Tätigen. Gesundheitsschutz sollte keine Option mehr sein, sondern Pflicht. Wir fordern schon lange, dass nur Pflegeeinrichtungen, die ein konsequentes betriebliches Gesundheitsmanagement umsetzen, für die Versorgung zugelassen werden. Die Krankenstände lügen nicht und zeigen, dass wir konsequent in Prävention und ihre Gesundheit, in gute Arbeitsbedingungen und ein wirksames betriebliches Gesundheitsmanagement investieren müssen – das steigert auch die Attraktivität des Berufes. Sonst gefährden wir nicht nur die Menschen in der Pflege, sondern auch die Versorgung im Land“, sagt Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes.
Zwei Erkrankungsarten dominieren dabei das Bild/Fehlzeitengeschehen. Psychische Erkrankungen treffen die Pflegekräfte mit 8,0 Fehltagen je Beschäftigten mit Abstand am schwersten – das ist mehr als doppelt so viel wie der Durchschnitt aller Beschäftigten (3,9 AU-Tage je Beschäftigten). Hinzu kommen Muskel-Skelett-Erkrankungen: Mit 9,1 Fehltagen ist die Belastung in dieser Berufsgruppe ebenso doppelt so hoch wie im Durchschnitt (4,5 AU-Tage je Beschäftigten). Wer täglich Menschen hebt, dreht, wäscht und versorgt – und das unter zunehmendem Zeitdruck und Personalmangel – zahlt dafür mit der eigenen Gesundheit.
Besonders alarmierend ist auch der Blick auf die Altersgruppe der 60- bis 64-jährigen Pflegekräfte: Dort erreichen die Fehlzeiten ihren Höhepunkt. Altenpflegekräfte dieser Altersgruppe fehlen im Schnitt 57,6 Tage pro Jahr – das sind fast zwei Monate. Zum Vergleich: Der Gesamtdurchschnitt in dieser Altersgruppe liegt bei 35,8 AU-Tagen. Selbst die jüngsten Beschäftigten in der Altenpflege, die unter 20-Jährigen, weisen mit 26,8 Fehltagen bereits überdurchschnittlich hohe AU-Werte auf. Die Belastung beginnt also früh und sie nimmt nicht ab.
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„Mit acht Fehltagen aufgrund psychischer Belastungen – und damit doppelt so vielen, wie im Durchschnitt – belegt die Pflege den traurigen Spitzenplatz. Psychische Erkrankungen in der Pflege sind oft das Ergebnis strukturellen Versagens. Wir brauchen verlässliche Dienstpläne und lebensphasengerechte Arbeitsbedingungen als flächendeckenden Standard, nicht nur als Leuchtturmprojekt einzelner Träger. Der Status Quo, dass der Beruf so krank macht, dass die älteren Beschäftigten im Durchschnitt 8 Kalenderwochen im Jahr, also rund, krankheitsbedingt ausfallen, ist nicht hinnehmbar", betont Klemm weiter.
Der internationale Tag der Pflege ist eigentlich kein Ehrentag. Er ist vielmehr ein Appell. Die Botschaft der Daten ist klar: Prävention, Entlastung und echte Wertschätzung – nicht nur in Worten, sondern in Strukturen und Ressourcen – sind keine Kür, sondern Pflicht. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass auch in Zukunft noch jemand da ist, der uns pflegt.

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Torsten Dittkuhn
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Torsten Dittkuhn betreut die Social Media-Accounts des BKK Dachverbandes. Darüber hinaus verantwortet er das Social Media- und Online-Monitoring und gehört zum Website-Team, das sich um die Redaktion, Pflege und Weiterentwicklung der Verbands-Webseite kümmert.
Nach seinem Soziologie-Studium arbeitete er als Projektkoordinator im Bereich ÖPNV und für verschiedene Agenturen als Projekt- und Kampagnenmanager für Kunden wie die Hans-Böckler-Stiftung und das BMBF.