07.07.2026 – Der Krankenstand blieb im Jahr 2025 stabil. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Eine Ausga-benposition wächst weiter und wird zu einem immer größeren Faktor für die gesetzliche Kranken-versicherung.
Mit 6,1 Prozent blieb der Krankenstand 2025 fast unverändert zum Vorjahr. Im Schnitt war jedes beschäftigte Mitglied rund zweimal krankgeschrieben (1,93 AU-Fälle je Beschäftigten), die durchschnittliche Falldauer betrug 11,5 Tage. Auch hier gibt es keine deutliche Abweichung. Doch diese Stabilität täuscht über eine Entwicklung hinweg, die genauer betrachtet werden muss. (siehe Grafik im PDF)
Von den insgesamt 22,1 Ausfalltagen je Beschäftigten im Jahr 2025 entfielen 6,8 Tage auf den Bezug von Krankengeld. Das ist mehr als ein Viertel aller Fehltage. Das Krankengeld wird ab dem 43. Krankheitstag gezahlt, d. h. betroffen sind überwiegend Menschen mit langwierigen und schweren Erkrankungen. Und genau hier zeigt sich ein beachtenswerter Trend: In den letzten zehn Jahren sind die Krankengeldtage um 24,4 Prozent gestiegen (2016: 5,4 KG-Tage je Beschäftigten). Dabei erreichten die Ausgaben 2025 laut Bundesgesundheitsministerium mit 21,6 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert. Das Krankengeld zählt damit inzwischen zu den größten Ausgabepositionen der gesetzlichen Krankenversicherung überhaupt.
Die Ursache liegt vor allem in zwei Krankheitsbildern: 2,2 Krankengeldtage je Beschäftigten gehen auf psychische Erkrankungen zurück, gefolgt von Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 1,7 Tagen. Zwar machen psychische Erkrankungen insgesamt „nur“ 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, doch wenn sie auftreten, dauern sie im Schnitt mehr als fünf Wochen – wobei die durchschnittliche Falldauer gegenüber dem Vorjahr sogar noch einmal gestiegen ist, von 38,2 auf 39,1 Tage.
„Die AU-Daten zeigen es: Es sind nicht die kurzen Erkältungen, die das Gesundheitssystem finanziell belasten. Es sind die langen, oft muskel-skelett und psychisch bedingten Ausfälle, die zum eigentlichen Kostentreiber werden. Wir beobachten den Trend der psychischen Belastungen in der Arbeitswelt schon lange und brauchen endlich eine ernsthafte Debatte über Präventionsstrategie bei psychischen Erkrankungen – und das nicht nur in der Arbeitswelt. Diese Rechnung zahlen wir sonst noch viele Jahre weiter und hinter jeder steht das lange Leiden einer betroffenen Person", sagt Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes.
Mit 35,9 Prozent sind Atemwegserkrankungen weiterhin die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit, verursachen aber aufgrund ihrer kurzen Falldauer von 6,1 Tagen vergleichsweise wenig Ausfallzeit. Muskel-Skelett-Erkrankungen sind für 12,5 Prozent der Fälle, aber für mehr als ein Fünftel aller Fehltage verantwortlich. Zusammen mit den psychischen Erkrankungen gehen somit fast 58 Prozent aller Ausfalltage auf diese drei Diagnosegruppen zurück. (siehe Grafik im PDF)
Auch regional gibt es deutliche Unterschiede. Die wenigsten Fehltage verzeichnen Beschäftigte in Baden-Württemberg mit 18,5 Tagen, die meisten in Mecklenburg-Vorpommern mit 29,0 Tagen. Auf Kreisebene liegt München mit 15,0 Tagen am unteren und der Kyffhäuserkreis in Thüringen mit 32,9 Tagen am oberen Ende der Skala.
Die Botschaft des Berichtsjahres 2025 ist eindeutig. Der Krankenstand mag stabil bleiben, doch hinter dieser Stabilität verbirgt sich eine wachsende finanzielle Belastung, die vor allem auf langwierige psychische und Muskel-Skelett-Erkrankungen zurückzuführen ist.
„Wir können diese Entwicklung, die zunehmend zu einer finanziellen Herausforderung der gesetzlichen Krankenversicherung wird, nicht ignorieren. Wir müssen das Gesundheitssystem viel stärker an Prävention ausrichten und die Gesundheitskompetenz konsequent fördern. Dafür müssen verschiedene politische Ressorts zusammenarbeiten – allen voran die Ressorts Bildung und Gesundheit“, so Klemm weiter.

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Torsten Dittkuhn
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Torsten Dittkuhn betreut die Social Media-Accounts des BKK Dachverbandes. Darüber hinaus verantwortet er das Social Media- und Online-Monitoring und gehört zum Website-Team, das sich um die Redaktion, Pflege und Weiterentwicklung der Verbands-Webseite kümmert.
Nach seinem Soziologie-Studium arbeitete er als Projektkoordinator im Bereich ÖPNV und für verschiedene Agenturen als Projekt- und Kampagnenmanager für Kunden wie die Hans-Böckler-Stiftung und das BMBF.