Pressemitteilung

Koalition fordert doppelte Rolle rückwärts für Arbeitnehmende

02.07.2026 – Zur heute verkündeten Koalitionseinigung kommentiert Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes:

„Diese Einigung widerspricht nicht nur wissenschaftlichen Erkenntnissen und einer evidenzbasierten Gesundheitspolitik, sondern zeugt auch vom geringen Vertrauen, das die Regierung den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern entgegenbringt.

Die verpflichtende Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag in Kombination mit der Abschaffung der bewährten telefonischen Krankschreibung basiert auf der Unterstellung, in Deutschland würde kollektiv blau gemacht. Fakt ist hingegen: Mit einem Anteil von nur 0,85 Prozent macht die telefonische Krankschreibung einen verschwindend geringen Teil aller Krankschreibungen aus. Sie ist also weder ein Freibrief für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer noch ein Treiber des Krankenstandes, sondern ein bewährtes Entlastungstool. 

Dies gilt insbesondere für die Arztpraxen, die nun zusätzlich belastet werden. Dort haben die Menschen bereits jetzt mit überfüllten Wartezimmern und langen Wartezeiten zu kämpfen. Nun möchte man zukünftig auch noch Menschen mit einem einfachen Schnupfen zum Hausarzt schicken. Das ist das genaue Gegenteil einer ressourcensparenden und kosteneffizienten Gesundheitspolitik.

 Da fällt die Forderung nach einem „Primärarztsystem“ kaum noch ins Gewicht, obwohl Bundesgesundheitsministerin Nina Warken bei diesem Punkt bereits deutlich weiter war. Sie hatte die Entlastung ärztlicher Kapazitäten durch andere Gesundheitsberufe sowie eine moderne Patientensteuerung in einem Primärversorgungssystem fest im Blick.

Kranke Menschen gehören ins Bett und nicht für einen Krankenschein in die Arztpraxis. Wenn ein Primärversorgungssystem erfolgreich sein soll, dürfen wir es nicht von Beginn an mit Kontrollbürokratie torpedieren“, sagt Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes.

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Kontakt

Thorsten Greb
Pressesprecher