20.04.2026 – Das Gesundheitswesen ist für rund sechs Prozent des deutschen Treibhausgas-Fußabdrucks verantwortlich. Ein großer Teil dieser Emissionen entsteht dabei nicht in Gebäuden oder beim Energieeinsatz, sondern insbesondere entlang der Lieferketten und direkt in der Gesundheits-versorgung. Eine heute veröffentlichte Studie im Auftrag des BKK Dachverbandes untersucht den Klimaimpact der Gesundheitsversorgung, identifiziert die wichtigsten Emissionsquellen und zeigt Handlungsfelder sowie Gestaltungsoptionen auf.
Die Kernaussage der Studie ist, dass sich die Klima- und Ressourcenwirkungen des Gesundheitswesens nicht allein durch technische Maßnahmen, Gebäude oder den Energieverbrauch senken lassen. Der entscheidende Hebel liegt in einer besseren Versorgung, bei der vermeidbare Krankheitslast reduziert, Versorgungspfade klüger gestaltet und knappe Ressourcen wirkungsvoller eingesetzt werden.
Die Studie trifft damit den neuralgischen Punkt, der auch von der Finanzkommission Gesundheit jüngst sehr deutlich kritisiert wurde. In Deutschland wird zu viel unnötig behandelt und am tatsächlichen medizinischen Bedarf vorbei operiert. Damit werden knappe Ressourcen verschwendet. Weniger kann mehr sein – das gilt auch bei Gesundheitsversorgung. Genau an dieser Stelle knüpft die Studie an. Nachhaltigkeit bedeutet keine Leistungseinbußen, sondern eine Versorgung, die sich stärker am tatsächlichen Bedarf, am gesundheitlichen Nutzen und an einer klugen Verteilung knapper Ressourcen orientiert. Die Reduzierung von Über-, Unter- und Fehlversorgung, die Verhinderung vermeidbarer Erkrankungen und eine an Nachhaltigkeit ausgerichtete Versorgung verbessern nicht nur die ökologische Bilanz, sondern auch die Behandlungs- und Versorgungsqualität sowie den Nutzen für die Patientinnen und Patienten. Und obendrein wird damit die langfristige Finanzierbarkeit der GKV gesichert, die einem immer größer werdenden Druck ausgesetzt ist.
Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes, erklärt:
„Die Studienergebnisse zeigen eindeutig, dass wir dringend einen strategischen Rahmen für ein nachhaltiges Gesundheitswesen benötigen. Nachhaltigkeit darf nicht länger als Nice-to-Have abgetan werden, sondern muss als die entscheidende Stellschraube für eine gute und bezahlbare Versorgung sowie für die zukünftige finanzielle Stabilität der GKV in die Köpfe der Menschen gelangen. Die Studie zeigt auch, dass Nachhaltigkeit mehr bedeutet als Dachbegrünung oder Ökostrom in Krankenhäusern. Es geht um viel mehr: um die Senkung der vermeidbaren Krankheitslast, um die Reduzierung von Über-, Unter- und Fehlversorgung und darum, die personellen, finanziellen und materiellen Ressourcen wirksam, qualitätsgeleitet und schonend einzusetzen.”
Prof. Oliver Gröne, Chief Scientific Officer und Leiter Forschung der OptiMedis AG sowie Studienautor, erklärt:
„Die größten Hebel liegen nicht nur in einer emissionsärmeren Infrastruktur, sondern auch in der Art und Weise, wie die Versorgung organisiert wird. Eine nachhaltige Gesundheitsversorgung bedeutet, die Prävention zu stärken, den Nutzen für die Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt zu stellen und Ressourcen dort einzusetzen, wo sie die Gesundheit der Menschen erhält und Krankheiten wirklich wirksam behandelt.“
