Lesen Sie hier das komplette BKK Magazin 2/2026 "Sicherer Halt in stürmischen Zeiten" online.


Editorial
Selten gab es so viel Bewegung in der Gesundheitspolitik wie in diesen Tagen und Wochen. Und selten hat eine Bundesministerin in der Geschichte der Bundesrepublik so schnell so viele Steine umgedreht wie Nina Warken. Sie ist dazu verdammt, politisch und gesellschaftlich unpopuläre Reformen anzupacken. Zu lange haben die letzten Bundesregierungen die Schieflage in der gesetzlichen Krankenversicherung und sozialen Pflegeversicherung schleifen lassen, und zu groß ist heute der Reformstau, um länger weggucken zu können. Für diesen Handlungsmut sollte man ihr Respekt zollen und sie faktengeleitet unterstützen, wo es nur geht, damit unser Gesundheitssystem wieder den Anschluss schafft und die Bürgerinnen und Bürger nicht irgendwann in einem gesundheits- und pflegepolitischen Trümmerfeld stehen.
Veränderung erzeugt jedoch Widerstand und lässt Ängste zutage treten, die jede faktenbasierte Argumentation mit einer irrationalen Debatte kapern. Nachdem die FinanzKommission Gesundheit im Frühjahr ihre 66 Vorschläge zur kurzfristigen Sanierung der GKV vorgelegt hatte, dauerte es keinen Tag, bis die Mehrheit der Akteure im Gesundheitswesen mit rhetorisch geschärften Messern auf der Palme war. Die Ärzteschaft prophezeite Terminnot und lange Warteschlangen in
den Arztpraxen, die Pharmaindustrie zeichnete das Bild einer drohenden Arzneimittelwüste Deutschland. Und dann gab es auch wieder jene Stimmen, die die tatsächlichen Probleme im Gesundheitssystem mit populistischen Scheinlösungen, wie staatlich verordneten Kassenfusionen, übertünchen wollen.
Wir wissen aus bevölkerungsrepräsentativen Umfragen, dass die Menschen sich Nähe und guten Service in der Gesundheitsversorgung wünschen, mit Krankenkassen, die sich kümmern und greifbar sind. Wir wissen, dass ein enger
Austausch zwischen Krankenkassen und Unternehmen die Gesundheit der Beschäftigten, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und damit auch den Wirtschaftsstandort insgesamt stärken kann. Wir wissen aus zahlreichen Beispielen in Deutschland, dass das Über-den-Haufen-Werfen von Vielfalt und Wettbewerb zugunsten von erzwungenen, zentralisierten Großstrukturen die Dinge nicht effizienter, sondern komplizierter und manchmal auch teurer machen. Trotz aller Heilsversprechen werden die anfangs als Retter beschworenen Großbürokratien in der Regel irgendwann entzaubert. Wie schnell und heftig die Ernüchterung bei staatlich verordneten Kassenfusionen eintreten kann, zeigt sich am Beispiel Österreichs. Gerade weil die Erzählung von Kassenfusionen und den zwangsläufigen Einsparungen so einfach klingt, sollte man genau auf die Konsequenzen schauen.
Und wenn die Menschen es wollten, hätten sie sich auch längst auf einige wenige Kassen konzentrieren können. Im Jahr 2026 ist jedoch ein gutes Viertel der 74 Millionen gesetzlich Krankenversicherten bei kleineren bis mittelgroßen
Krankenkassen versichert. Nicht, weil sie dazu gezwungen wurden, sondern weil sie sich dort gut aufgehoben und versorgt fühlen. Die Politik sollte diesen Wunsch respektieren und ihre Energie besser darauf verwenden, sinnvolle Reformen zur Stabilisierung der GKV, die Nina Warken angestoßen hat, zu unterstützen.
Apropos Mut zur Veränderung: Auch wir Betriebskrankenkassen scheuen uns nicht, die Dinge auf den Prüfstand zu stellen. Das BKK Magazin war lange Zeit eines unserer Aushängeschilder im Printbereich. Doch die Zeiten und das Leseverhalten ändern sich – und damit auch die Erwartungen und Bedürfnisse unserer Zielgruppen. Die gedruckte Ausgabe des BKK Magazins, die Sie in Händen halten, ist die letzte. Denn: Gerade Gesundheitspolitik findet heute immer mehr online statt – mobil, nicht-linear verlinkt, kontextbezogen vernetzt. Daran wollen wir uns künftig orientieren.
Wir werden Ihnen selbstverständlich auch in Zukunft hochwertige und anspruchsvolle Inhalte auf unserer Webseite bieten! Inhalte, die Sie dort auch – sogar themenspezifisch – abonnieren können.
Ihre Anne-Kathrin Klemm