Lesen Sie hier das komplette BKK Magazin 3/2025 "Abschied und Aufbruch" online.


Editorial
Diese Sommer-Ausgabe des Magazins markiert eine Zäsur. Wir blicken zurück auf ein Dutzend sehr guter Jahre des BKK Dachverbandes mit einem ausführlichen Artikel zum Parlamentarischen Abend, mit dem wir unseren Vorstandsvorsitzenden Franz Knieps verabschiedet haben und zugleich nach vorn auf die Herausforderungen für die solidarische Krankenversicherung in Deutschland. Von der Aufbruchstimmung zeugt diese erste Magazin-Ausgabe, die ich als neue Vorständin des Dachverbandes und damit als Herausgeberin verantworte.
Auch wenn die gesamte GKV wie auch die Pflegeversicherung mit großer Sorge die Pläne der Bundesregierung sehen, auch in diesem Jahr die versicherungsfremden Leistungen nicht auszugleichen. Dabei wurde verbal zumindest vor den Haushaltsberatungen deutlich thematisiert, dass hier endlich was passieren muss. Kommissionsergebnisse in 2026? Damit verstreicht wertvolle Zeit für die politische Kärrnerarbeit, die Sozialversicherungsbeiträge zu stabilisieren. Die in den Raum gestellten Darlehenspläne sind ein Taschenspielertrick, die nur vertagen, was heute angegangen werden müsste. Das Drängen der neuen Bundesgesundheitsministerin Nina Warnken bei der ersten Lesung des Etats des Bundesgesundheitsministeriums im aktuellen Haushaltsplan auf mehr Steuermittel für die GKV – freundlich unterstützt durch Redebeiträge aus der schwarz-roten Koalition, macht da keinen Mut. Denn woher die Milliarden nun mobilisiert werden können, dazu gab es im Bundestag keine belastbaren Aussagen. Wir haben womöglich ein politisches Manöver gesehen nach dem Motto: Niemand soll sagen können, wir hätten es nicht wenigstens versucht.
Das genügt nicht. Die Betriebskrankenkassen fordern zusammen mit ihren Trägerunternehmen aus Industrie und Mittelstand eine echte und nachhaltige Kostenwende in der Sozialversicherung. Die jetzt schon erreichte Höhe der Lohnzusatzkosten und der ungebremste Aufwärtstrend bei den Sozialabgaben gefährdet den Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland. Die von der Bundesregierung Merkel mit der SPD im Jahr 2020 festgeschriebene „Sozialgarantie“ von 40 Prozent des Bruttolohns ist längst überschritten. Laut IGES-Institut droht eine Belastung des Produktionsfaktors Arbeit mit Sozialversicherungsbeiträgen von aktuell 42 Prozent rasch auf die 50 Prozent-Marke anzusteigen, wenn eine Trendwende nicht mit entschlossenen und beherzten Maßnahmen zu strukturellen Reformen gelingt. Vorschläge der Betriebskrankenkassen liegen auf dem Tisch – auch weil wir folgerichtig unserem Anspruch folgen: Fragt die Versicherten! Unsere Unternehmen, die Arbeitnehmervertretungen und Betriebsärzte arbeiten im Betrieblichen Gesundheitsmanagement strategisch mit den Betriebskrankenkassen zusammen und leisten einen bezifferbaren Beitrag, die Arbeitsunfähigkeitszeiten zu reduzieren. In den kommenden Wochen werden wir intensive politische Gespräche führen und die Ergebnisse unserer Vernetzungsfähigkeit wie der schlanken Verwaltungskosten deutlich unter dem GKV-Schnitt präsentieren. Denn es geht darum, am Wirtschaftsstandort Deutschland die wettbewerblichen Vielfalt im System der solidarischen Krankenversicherung und sozialen Pflegeversicherung im Interesse der Versicherten und ihrer Arbeitgeber zu erhalten.
Ihre Anne-Kathrin Klemm