RSA Broschüre: "Geldverteilungsmaschine Risikostrukturausgleich"

 

Nur eine Handvoll Experten verstehen in der Tiefe die Wirkungsweise und das Ineinandergreifen der vielen Stellschrauben des Morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA). Kein Grund, sich deswegen nicht mit den wichtigsten Steuerungsmechanismen dieser gigantischen Geldverteilungsmaschine zu befassen. Immerhin geht es um mehr als 220 Milliarden Euro im Jahr, die in der gesetzlichen Krankenversicherung für die medizinische Versorgung von rund 70 Millionen Bundesbürgern umverteilt werden. Und noch wichtiger: Gerade wegen der Verteilungsmaschine des Morbi-RSA wächst der Finanzierungsdruck auf etliche gesetzliche Kassen, während andere ohne großes Zutun profitieren. So werden 60 Prozent der Versicherten systematisch benachteiligt.

Damit Sie für die notwendige RSA-Reform-Diskussion gewappnet sind, erklären wir Ihnen verständlich mit unserer Basislektüre „Geldverteilungsmaschine Risikostrukturausgleich“ das Prinzip des Morbi-RSA.

Hintergrund:

Sämtliche Beiträge, die die Mitglieder - und künftig auch die Arbeitgeber - für die Krankenversicherung Monat für Monat an die Krankenkassen überweisen, werden von diesen 1:1 an den Gesundheitsfonds weitergeleitet. Die Milliarden aus dem Fonds, mit denen die GKV-Pflichtleistungen finanziert werden sollen, werden derzeit wiederum nach einem komplizierten Schlüssel an die Kassen zurück verteilt, der nicht nur Alter, Geschlecht und Erwerbsminderungsstatus der Versicherten, sondern auch deren Gesundheitszustand berücksichtigt. Die Krankenkassen erhalten so neben einer Pauschale je Mitglied Zuschläge für die Behandlung von 80 ausgewählten Krankheiten mit schwerwiegendem Verlauf und kostenintensiven chronische Krankheiten. Stellt ein Arzt eine entsprechende Diagnose und dokumentiert diese in seiner Praxissoftware, erhält die Krankenkasse für den Patienten Geld aus dem Gesundheitsfonds.

Diesen sogenannten Morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) hatte der Gesetzgeber 2009 auch eingeführt, um unter den gesetzlichen Krankenkassen faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.

Dieses Ziel wird aus Sicht der Betriebskrankenkassen jedoch schon seit langem verfehlt. „Eine Kassenart erhält seit Jahren deutlich mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds, als sie für die Versorgung ihrer Versicherten benötigt“, sagt Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes. Folge für die Kassen: Wer höhere Einnahmen aus dem Fonds erzielt, als er für die Versorgung der Versicherten benötigt, kann dies über niedrige Zusatzbeiträge, attraktive Zusatzleistungen oder Boni direkt an seine Versicherten weitergeben – und hat damit gegenüber der Konkurrenz einen Wettbewerbsvorteil. Seit 2016 ist zudem bekannt, dass offenbar einige Krankenkassen Systemlücken nutzen und sich über Manipulation im Morbi-RSA Vorteile verschaffen.

Dies verdeutlicht, dass die Rahmenbedingungen für die Finanzierung der Krankenkassen einer dringenden Überarbeitung bedürfen. Das unausgewogene Finanzausgleichssystem zwischen den Krankenkassen muss zügig transparenter und gerechter werden.

Die Diskussionen dazu werden in den nächsten Monaten an Intensität zunehmen. Mit unserer Basislektüre zur Erklärung des Prinzips des Morbi-RSA „Geldverteilungsmaschine Risikostrukturausgleich“ können Sie diesen notwendigen gesundheitspolitischen Diskurs besser nachvollziehen.
 

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