Morbi-RSA und Gesundheitsfonds

Im Jahr 2009 hat der Morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) den alten RSA abgelöst. Damit wurde der Mechanismus, mit dem derzeit rund 220 Mrd. Euro aus dem Gesundheitsfonds an die Krankenkassen verteilt werden, umfassend erneuert. Zielsetzung des neuen RSA ist es, die unterschiedlichen Versichertenstrukturen der Krankenkassen im Hinblick auf die Faktoren Alter, Geschlecht und seither zusätzlich um Morbidität auszugleichen. Die Krankenkassen sollen so gleiche Chancen im Wettbewerb erhalten und Anreize zur „Rosinenpickerei“ bei den Versicherten reduziert werden.

Ist dies gelungen? Hat der Morbi-RSA die gesetzten Ziele erreicht?

Der Morbi-RSA erfüllt zwar seine Aufgabe, Anreize für Risikoselektion zu verringern. Seiner Aufgabe, faire Chancen im Kassenwettbewerb zu schaffen, wird er derzeit jedoch nicht gerecht. Daher wächst seit Jahren die Schere zwischen den Kassenarten, was sich auch in der auseinanderdriftenden Entwicklung der Zusatzbeitragssätze und Finanzreserven der Krankenkassen niederschlägt.

Ursächlich für diese Entwicklung ist, dass die Stellschrauben des Morbi-RSA falsch gestellt sind: Insbesondere eine Kassenart erhält seit Jahren mehr Geld über den Morbi-RSA aus dem Gesundheitsfonds, als sie zur Versorgung ihrer Versicherten benötigt. Andere erhalten hingegen zu wenig. Mit Können oder Kassenmanagement kann dies eher nicht begründet werden. Zudem ist der Morbi-RSA anfällig für Manipulationen, um die Zuweisungen zu optimieren. Der Morbi-RSA erzeugt selbst Morbidität statt sie auszugleichen.

Ein Gegensteuern der Politik ist daher schon zu Beginn der neuen Wahlperiode erforderlich. Als kurzfristige Maßnahmen, über die die bestehenden Unwuchten zumindest reduziert werden könnten, schlagen die Betriebskrankenkassen

- die Streichung der Doppelberücksichtigung der Erwerbsminderungsrentner,

- die Einführung eines zielgenauen Ausgleichs für Hochkostenfälle,

- die Begrenzung des Einkommensausgleichs beim Zusatzbeitragssatz sowie

- die Erhöhung der nicht morbiditätsbezogenen Komponente bei den Verwaltungskosten

vor. Über eine regelmäßige Evaluation und die Bereitstellung von Daten-Stichproben für Krankenkassen und Wissenschaft soll der Morbi-RSA zudem transparenter werden. Bestehende Manipulationsanreize müssen darüber hinaus entschieden angegangen werden.

Die kurz- und mittelfristigen Reformvorschläge der Betriebskrankenkassen werden in der Broschüre „Mechanik Morbi-RSA – Einfach, transparent, manipulationssicher“ vorgestellt.

Als Basislektüre zur Erklärung des Prinzips des Morbi-RSA, der Grundlagen der Krankheitsauswahl und des Klassifikationsmodells sowie der Funktionsweise des Gesundheitsfonds sei auf das Heft „Geldverteilungsmaschine Risikostrukturausgleich“ verwiesen. Die vertiefte Beschreibung der dort bereits skizzierten Sondergruppen im Morbi-RSA kann in der Broschüre „Stellschrauben im Morbi-RSA – Sondergruppen im Fokus“ nachgelesen werden.

Mechanik Morbi-RSA: Einfach, Transparent, Manipulationssicher

01.09.2017

Die Broschüre „Mechanik Morbi-RSA: Einfach, Transparent, Manipulationssicher“ können Sie hier als PDF herunterladen.