Versichertenorientierung

Krankenkassenqualität aus Nutzerperspektive

BKK Dachverband stößt Qualitäts- und Transparenzdebatte an

Die Versorgung muss sich am Bedarf des Versicherten ausrichten, daran misst sich die Qualität unseres Gesundheitswesens. Erster Schritt zu einer Nutzerorientierung im Gesundheitswesen: fragen, wie es den Versicherten eigentlich geht und wo es in der Versorgung hakt. Dies gilt auch mit Blick auf Service und Leistungen von Krankenkassen. Der BKK Dachverband setzt sich im Sinne der Versichertenorientierung für eine Qualitäts- und Transparenzdebatte in der gesetzlichen Krankenversicherung ein.

heterogene glückliche Menschengruppe steht zusammen

Jenseits der Evidenz der Abrechnungszahlen

Bisher geben die gesetzlichen Krankenkassen und ihre Verbände jährlich erscheinende Reports heraus, die sich – gestützt auf Kassendaten – wissenschaftlich und politisch mit dem Versorgungsgeschehen auseinandersetzen. Die Betriebskrankenkassen bündeln ihre empirischen Befunde aus den Routinedaten im BKK Gesundheitsreport, spezifische Fragen etwa zur Gesundheit der Beschäftigten im Gesundheitswesen beantwortet der BKK Gesundheitsatlas. Allen Reports liegen Diagnose- und Abrechnungsdaten der Kranken- und Pflegekassen zugrunde. Diese Daten lassen zwar Rückschlüsse auf die Versorgungssituation der Versicherten zu, Erfahrungen und Meinungen derjenigen, um deren Versorgung es geht, enthalten sie in der Regel nicht.

Zwar gibt es zahlreiche Krankenkassenvergleiche und entsprechende Rankings, diese haben jedoch häufig einen zweifelhaften Ruf. Auch führen die Krankenkassen Umfragen bei Versicherten über Erwartungshaltung, Zielgenauigkeit und Qualität ihres Service durch, die breite Öffentlichkeit erreichen die Ergebnisse meist nicht. Bislang bietet niemand eine systematische Analyse des Versorgungs-, Leistungs- und Servicegeschehen aus Sicht der Versicherten an. Ein Krankenkassenmonitor, an dem sich Versicherte bei der Wahl ihrer Krankenversicherung orientieren können, existiert derzeit nicht.

Vom Preis- zum Versorgungswettbewerb

Dem Wettbewerb ist in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nur ein kleines Spielfeld überlassen, denn 95 Prozent der Leistungen, die eine Kasse ihren Versicherten anbietet, sind gesetzlich vorgegeben. Angebotsunterschiede zwischen Krankenkassen gibt es aber im Bereich der Satzungsleistungen, Wahltarife und Selektivverträge. Derzeit orientiert sich der Wettbewerb unter den Kassen überwiegend am Preis, für die Versicherten ist der Beitragssatz einer der wenigen Vergleichsvariablen bei der Kassenwahl. Servicequalität ist hingegen kein Thema. Hierzu herrscht keine Transparenz.

Problematisch an einem Wettbewerb, der sich allein am Preis orientiert, ist, dass Kassen alles dafür tun, Beitragssatzerhöhungen zu vermeiden. Ein Krankenkassen-Wettbewerb, der sich um die beste Versorgung dreht, kann nur gelingen, wenn die Versicherten in das Blickfeld rücken und Transparenz über die Qualität von Krankenkassen hergestellt wird.

Versorgungsqualität bedeutet Kundenorientierung

Was zeichnet eine hohe Versicherungsqualität aus? Was wünscht sich der oder die Versicherte von seiner Kasse? Hier kann derzeit nur gemutmaßt werden, denn Bedarfe und Präferenzen der Versicherten sind unterschiedlich je nach Lebenslage, sozialer und kultureller Situation. Der oder die Gesunde möchte wohl möglichst wenig von seiner Kasse mitbekommen, gleichzeitig aber Unterstützung erfahren, wenn Anträge gestellt und Formulare ausgefüllt werden müssen. Schnellstmöglicher Zugang zur besten Versorgung – und hierbei Hilfestellung durch die Kasse – ist prioritär für Versicherte mit akuten Beschwerden. Chronisch kranke Menschen wünschen sich auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Leistungsangebote.

Krankenkassen sollten auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Versicherten individuell reagieren können; dafür braucht es einen entsprechenden gesetzlichen Rahmen. Um den Krankenkassen zu ermöglichen unterschiedliche, auf die Bedürfnisse der Versicherten abgestimmte, Versorgungsangebote zu gestalten, braucht es Regeln und Freiheiten. Dies gilt für Fragen der Vertragsgestaltung wie für die Verarbeitung von Daten gleichermaßen.

Mehr Qualitätstransparenz wagen

Grundlegende Voraussetzung für die Überwindung des derzeit geführten Wettbewerbs um den Zusatzbeitragssatz ist die Schaffung von Transparenz über das Leistungs-, Versicherungs- und Versorgungsgeschehen bei den Krankenkassen. Erst dies wird einen Leistungsvergleich und Versorgungsvergleich der Krankenkassen überhaupt möglich machen.

Betriebskrankenkassen zeichnen sich durch ihre Einbindung im Unternehmen seit jeher durch eine große Versichertennähe aus. Diese Tradition wollen wir fortschreiben und im Sinne einer stärkeren Versichertenorientierung uns proaktiv für eine Qualitäts- und Transparenzdebatte in der gesetzlichen Krankenversicherung einsetzen.

Johanna Nüsken

Kontakt

Johanna Nüsken
Referentin · Politik mit den Schwerpunkten Ambulante Versorgung, Integrierte Versorgung, Europa