Hitzeschutz

Es wird heiß!

Verdörrte Felder, ausgetrocknete Flussläufe, Hitzetote: Der Klimawandel und die damit einhergehende Erderwärmung gefährdet Natur und Mensch. Was die Betriebskrankenkassen dem entgegen setzen, beleuchten wir in vier spannenden Podcasts zu den Themen Hitzemanagement, Hitzeschutz in Pflegeheimen und Krankenhäusern und zum Projekt Blue Marble Health.

Ausgedörrtes Feld mit Thermometer

Klimaschutz bedeutet auch Gesundheitsschutz. Die Hitzewellen in den Sommermonaten der letzten Jahre zeigen uns eindrücklich die Folgen des Klimawandels und der Erderwärmung. Wir müssen uns darauf einstellen, dass Extremwettereignis­se wie Starkregen, Überflutungen und Hitzewellen keine Ausnahme mehr sind, sondern mehr und mehr zur Normalität werden.

Trockenheit gefährdet Gesundheitssystem

Der Klimawandel stellt für die gegenwärtigen und künftigen Generationen eine der größten Gesundheits­bedrohungen dar. Hitzewellen, lange Trockenperioden, Wassermangel sowie ein Anstieg an psychischen Erkrankungen und Infektionskrankheiten werden die Gesundheitsstrukturen immer stärker an ihre Grenzen bringen. Trotz ambitionierter Ziele und Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgasemissionen auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene ist ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur nicht mehr vollständig zu verhindern. 

Hitzebedingte Übersterblichkeit im Sommer 2022

Weltweit sterben jährlich schätzungs­weise 13 Millionen Menschen an den Folgen von Umweltfaktoren. Auch hierzulande ist die hitzebedingte Mortalität messbar. Laut einer Studie von Robert Koch-Institut (RKI), Umweltbundesamt (UBA) und Deutschem Wetterdienst (DWD), gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler davon aus, dass die hohen Temperaturen von 2018 bis 2020 in allen drei Jahren zu einer statistisch signifikanten Anzahl von Sterbefällen geführt haben. Demnach kam es im Hitzesommer 2022 zu einer hitzebedingten Übersterblichkeit von rund 4.500 Sterbefällen in den Monaten Mai bis August.

Bestimmte Berufsgruppen, Kinder und Senioren leiden besonders unter Hitze

Hitze führt aber auch bei den Berufstätigen zu Erkrankungen und damit zu Arbeitsunfähigkeit. Besonders betroffen sind Menschen, die im Freien arbeiten bspw. im Straßenbau. Aber auch Verkäufer- und Pflegekräfte sind überdurchschnittlich oft betroffen. Ab Temperaturen über 30 Grad Celsius verliert der Körper überdurchschnittlich viel Flüssigkeit. Wird dieser Verlust nicht ausgeglichen, steigt das Risiko für Thrombosen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenversagen. Eine Studie des BKK Landesverbandes NordWest aus dem Jahr 2021 stellte fest, dass die Krankenhauseinweisungen in den letzten 10 Jahren – allein bedingt durch Flüssigkeitsmangel – in den Monaten April bis September kontinuierlich um knapp 32 % angestiegen sind. Besonders betroffene Altersgruppen sind in diesem Fall Säuglinge und Kleinkinder sowie Menschen ab 75 Jahren.

Klimawandel begünstigt Allergien

Zudem ist der Studie zufolge die Zahl der Heuschnupfen-Patienten in den vergangenen zehn Jahren angestiegen. Gerade in Ballungsgebieten mit einer hohen Belastung an Luftschadstoffen wird die allergene Wirkung der Pollen offenbar verstärkt. Mit dem Temperaturanstieg geht auch die Zunahme an Borreliose-Erkrankungen einher. Vor allem die milden Winter haben zur Ausbreitung von Zecken geführt, die die Krankheit verursachen. Besonders in früher weniger betroffenen Bundesländern macht sich das bemerkbar.

BKK-Initiative kämpft für klimagerechte Arbeitsbedingungen

Der BKK Dachverband setzt sich seit mehreren Jahren für ein nachhaltiges Gesundheitswesen sowie aktiv für die gesundheitsgerechte Gestaltung von Lebens- und Arbeitsbedingungen im Kontext klimatischer Veränderungen im Rahmen der Initiative BKK GREEN HEALTH ein. So fördert der BKK Dachverband ein auf drei Jahre angelegtes Projekt des AWO Bundesverbandes und der Initiative Klimawandel und Gesundheit (KLUG) in stationären Pflegeeinrichtungen. 

Studie zu Auswirkungen des Klimawandels auf Beschäftigte

Wichtig sind aber auch Erkenntnisse, welche Auswirkungen die planetaren Krisen auf die Gesundheit von Beschäftigten haben. Der BKK Dachverband hat hierfür eine Studie gefördert, welche die Herausforderungen, Barrieren und Ansatzpunkte erforschen, um die Planetary-Health-Perspektive gerade auch als Führungsaufgabe ins Betriebliche Gesundheitsmanagement zu integrieren. Der Bericht zeigt klar die Chancen, die sich durch klimasensibles Gesundheitsmanagement für die Belegschaft der Unternehmen ergeben – und zwar unabhängig von der Branche und auf allen Firmenebenen. Der Ergebnisbereicht verdeutlicht auch die künftigen Aufgaben: Da bisher erst wenige Akteure in diesem Handlungsfeld wirken, kommt es darauf an, Wissen zu klimasensiblem Gesundheitsmanagement rasch zu verbreiten und die betrieblichen Gesundheitsakteure zu vernetzen.

 

Lunchtalk-Serie

An dieser Stelle setzt die vom BKK Dachverband und der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) initiierte siebenteilige, virtuelle Lunchtalk-Serie an. Ziel ist es, betriebliche Gesundheitsakteure zu Multiplikatoren sowohl für die Gesundheit der Mitarbeitenden als auch für planetare Gesundheit zu machen. 

        

Stimmen aus der Politik zum Hitzeschutz

Statement Lütke
Statement Rudolph
Statement Sorge
Statement Wagner

Die BKK GREEN HEALTH Initiative

Die Nachhaltigkeitsinitiative BKK GREEN HEALTH des BKK-Systems setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit knappen Ressourcen und für ein ökologisch-sozial nachhaltiges Gesundheitswesen ein. Basis bilden die 17 globalen Ziele der Vereinten Nationen, weltweit ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen und gleichzeitig die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft zu bewahren. Über 50 BKK-Kolleginnen und -Kollegen aus 35 Betriebskrankenkassen arbeiten daran, neue Vorgehensweisen sowie neue Ansätze und Inhalte für Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung zu entwickeln. Mehr als 10 Projekte wurden bereits mit BKK-Beteiligung, Politik, Wissenschaft und Expertinnen und Experten gestartet.

Investitionen in Klimaanpassung

Um die weitere Ausbreitung klimasensibler Krankheiten zu verhindern, fordert der der BKK Dachverband mehr Investitionen in die Klimaanpassung – vor allem für vulnerable Gruppen, z. B. durch besseren Hitzeschutz in Kitas, Schulen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Der Entwurf zu einem Bund-Klimaanpassungsgesetz des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz ist ein richtiger Schritt in diese Richtung.

Gesundheitssysteme sind eine wichtige Verteidigungslinie für die Bevölkerung, die mit neuen Gesundheitsbedrohungen durch den Klimawandel konfrontiert sind. Um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und eine Verschärfung der Ungleichheiten im Gesundheitsbereich zu vermeiden, müssen klimaresistente Gesundheitssysteme aufgebaut werden. Diesem Thema gehen wir im Handlungsfeld Politik und Gesellschaft unserer Initiative nach.

Angebote unserer Mitgliedskassen zum Hitzeschutz

Was für eine Hitze! Aber wie umgehen mit den steigenden Temperaturen und dem vielen Sonnenschein? Unsere Mitgliedskassen haben dazu wertvolle Tipps.

Die Heimat BKK verweist in ihrem Mitgliedermagazin darauf, welche gravierenden Folgen zu viel Strahlung auf die Gesundheit haben kann. Auch gibt es dort nützliche Tipps, wie man sich vor einem Sonnenstich schützen kann und welche Gegenmittel es gibt. 

Auch die Pronova BKK hält auf ihren Internetseiten und in ihrem Mitgliedermagazin umfassende Informationen zum Thema Hitzeschutz bereit. Etwa zum Thema Flüssigkeitsaufnahme an besonders heißen Tagen oder zum Sport bei hohen Temperaturen. Im Interview mit dem Arzt Dr. Gerd Herold lesen Sie, welche Folgen der Klimawandel für unsere Gesundheit hat und wie sich der Mensch davor schützen kann.

Die Der BKK Landesverband Bayern hat Lea Dohm, Psychologin und Mitgründerin der „Psychologists For Future“, zu den psychischen Komponenten des Klimawandels befragt. „Die Klimakrise schadet unserer psychischen Gesundheit schon jetzt massiv", sagt sie. „Das bisher völlig unzureichende Handeln trotz besseren Wissens hat - neben den bekannten finanziellen und Machtinteressen - auch psychologische Gründe, wie Vermeidung, Verantwortungsdiffusion oder innere Kapitulation.“

Kontakt

Martin König