Krankenhausreform

BKK-Fachtagung: Realitätscheck zur Krankenhausreform

Seit Jahren prangern Expertinnen und Experten aus allen Bereichen des Gesundheitswesens die zahlreichen strukturellen und finanziellen Probleme in der Krankenhausversorgung an. Über-, Unter- und Fehlversorgung, mangelnde Qualitätsstandards bei der Behandlung und eine ineffiziente Ressourcenverteilung sind nur einige der angesprochenen Probleme. Die Diskussion über eine Reform der Krankenhausstrukturen nimmt Fahrt auf, aber die Meinungen zur konkreten Umsetzung gehen zwischen dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und den Bundesländern teilweise noch immer weit auseinander.

Notaufnahme von außen.

Kontroverse zur Ausgestaltung der Krankenhausreform

Trotz eines gemeinsamen Eckpunktepapiers von Bund und Ländern im Juni dieses Jahres, das auf den Empfehlungen der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung basiert, herrscht unter den Beteiligten nach wie vor eine heftige Kontroverse über die konkrete gesetzliche Ausgestaltung der Reform.

Der BKK Dachverband nahm dies zum Anlass, um am 29.11.2023 auf der jährlichen BKK Fachtagung Krankenhaus das drängende Thema der Strukturreform mit seinen Mitgliedskassen sowie mehreren externen Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens zu diskutieren.

Zu Gast waren:

  • Mike Schubert, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam,
  • Dr. Alina Dahmen, Medizinische Direktion des Klinikums Wolfsburg,
  • Dr. Simone Wesselmann, Bereichsleiterin Zertifizierung der Deutschen Krebsgesellschaft,
  • Jana Luntz, Präsidiumsmitglied des Deutschen Pflegerates und Pflegedirektorin des Universitätsklinikums Dresden und
  • Dr. Michael Rabenschlag, Abteilungsleiter für Ökonomie des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK)

Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass eine Krankenhausreform dringend notwendig sei. Dabei wurde die Frage der finanziellen Unterstützung durch den Bund ebenso diskutiert, wie die Planungssicherheit für Krankenhäuser zur Sicherstellung einer verlässlichen Versorgung der Patienten. Darüber hinaus thematisierten die Expertinnen und Experten die geplante Leistungsgruppensystematik unter der Fragestellung, inwieweit eine stärkere Ausdifferenzierung notwendig sei, um eine qualitativ hochwertige Versorgung tatsächlich zu erreichen. Sie betonten dabei nicht zuletzt die Bedeutung von pflegespezifischen Qualitätsindikatoren und die Notwendigkeit die Pflege aktiv in die Reform einzubeziehen.

Das Fazit der Runde: Auch nach einer Strukturreform werden Krankenhäuser verschiedener Versorgungsstufen mit unterschiedlichen Ausrichtungen notwendig sein. Zudem muss auch im weiteren Reformprozess der Fokus auf anspruchsvolle Qualitätskriterien aufrechterhalten werden. Ergänzend dazu wurde festgehalten, dass die Zukunft einer robusten Krankenhausstruktur in Deutschland auch von einer nachhaltigen Ambulantisierung der Gesundheitsversorgung abhänge.

Beim Thema Entbürokratisierung war der Tenor hingegen wenig optimistisch: Das System werde komplex bleiben – anders komplex zwar, aber wahrscheinlich nicht einfacher.

Bezüglich der Finanzierung machte Franz Knieps, Vorstandsvorsitzender des BKK Dachverbandes, abschließend noch einmal deutlich, dass nach dem Karlsruher Haushaltsurteil nicht mit Bundesmitteln für das Gesundheitssystem zu rechnen sei. Er betonte daher die Notwendigkeit, gemeinsam nach Lösungen zu suchen: „Reformen immer nur bei den Anderen zu wollen, das geht nicht länger. Jeder muss auch vor seiner eigenen Türe kehren.“