Innovationsfondsprojekt K:IDD

Impulse für Deutschlands Kliniken aus Dänemark

Kann Dänemarks Krankenhausreform Impulse für die deutsche Versorgungslandschaft setzen? Ja, sagen die Beteiligten eines Forschungsprojekts der Technischen Universität Berlin, des BKK Dachverbands, des Zentralinsituts der kassenärztlichen Versorgung und des Deutschen Krankenhausinstituts, die sich zwei Jahre lang im engen Austausch mit Expertinnen und Experten aus der dänischen und deutschen Versorgungslandschaft damit beschäftigt haben. Klar wurde dabei aber auch: Eine Blaupause darf man nicht erwarten – es bleibt noch viel zu tun.

Aarhus University Hospital
Krankenhaus der Zukunft: Das Bild zeigt den Haupteingang des Universitätsklinikums Aarhus.

Die deutsche Versorgungslandschaft ist im internationalen Vergleich spitze. Dennoch gibt es seit Jahrzehnten leidenschaftliche Diskussionen um die Krankenhausplanung. Wie sollte diese angepasst werden, um die Qualität der Versorgung zu maximieren? Zu dieser Frage ist seit einigen Jahren das Nachbarland Dänemark in den Fokus getreten, das seit 2007 seine Krankenhausstrukturen mit einem Milliarden schweren Investitionsprogramm umfassend auf Zentralisierung, Spezialisierung und Digitalisierung ausgerichtet hat.

Das dänische Gesundheitssystem unter der Lupe

In dem vom Innovationsfonds geförderten Projekt „K:IDD – Krankenhaus: Impulse für Deutschland aus Dänemark“ analysierten der BKK Dachverband, das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland und das Deutsche Krankenhausinstitut unter der Projektleitung der Technischen Universität Berlin gemeinsam die beiden Gesundheitssysteme unter der Fragestellung: Wie konnte Dänemark seine Reform zum Erfolg führen und was können wir hiervon für Deutschland lernen?

Die meisten dänischen Krankenhäuser sind in öffentlicher Hand

Eine Erkenntnis aus dem Projekt: Der Größenunterschied der beiden Länder und der Staatsaufbau spielen für die Vergleichbarkeit eine eher untergeordnete Rolle. Auch in Dänemark gibt der Staat meist nur den gesetzlichen Rahmen vor, während nachgelagerte öffentliche und private Strukturen die eigentliche Versorgung planen und organisieren. Als wichtiger Unterschied ist zu nennen, dass sich die dänischen Krankenhäuser zumeist in öffentlicher Hand befinden und damit für eine konzertierte Aktion sicher zugänglicher sind.

Gemeinsame Vision vom Krankenhaus der Zukunft

Die Auswertung von zahlreichen Experteninterviews, die das Konsortium vor Ort mit Unterstützung von Health Care Denmark und dem Dänischen Gesundheitsministerium durchführen konnte, zeigte aber, dass es vor allem der politische Handlungsdruck um die Jahrtausendwende war, der Beteiligte und Betroffene trotz unterschiedlicher Interessen zusammenschweißte und so eine gemeinsame Vision vom Krankenhaus der Zukunft ermöglichte.

Die Erkenntnisse aus Dänemark flossen in mehrere Publikationen ein und wurden im Projektverlauf mehrfach mit unterschiedlichen Vertreterinnen und Vertretern des deutschen Gesundheitssystems diskutiert. In einer Reihe von Workshops mit Krankenkassen, niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusverbänden und vielem mehr zeigte sich, dass Beispiele aus Dänemark vor allem wichtige Impulse liefern können für

  • eine evidenzbasierte, ganzheitliche Krankenhausplanung (inklusive Personal- und Spezialisierungsplanung),
  • die Prämisse „ambulant vor stationär“ und die Durchlässigkeit der Sektorengrenzen,
  • die Digitalisierung der Patientenpfade und das Schaffen von Vertrauen in digitalisierte Angebote sowie
  • die Bereitstellung und Aufbereitung von Qualitätsinformationen

Neue Erkenntnisse müssen jetzt die politische Diskussion versachlichen

„Wichtig ist jetzt, dass wir eine gemeinsame Vorstellung zum Umbau der Krankenhauslandschaft in Deutschland im Sinne einer qualitätsgetriebenen und vernetzten Versorgung entwickeln", sagt Anne Klemm, Vertreterin des Vorstandes des BKK Dachverbandes. „Diese politische Diskussion kann uns das Beispiel Dänemarks leider nicht abnehmen, aber es wird uns helfen, sie weiter zu versachlichen."

Förderung durch den Innovationsfonds

Konsortialführer von K:IDD ist die Technische Universität Berlin (TUB). Am Projekt beteiligt sind neben dem BKK Dachverband e.V. das Zentralinsititut der kassenärztlichen Versorgung und das Deutsche Krankenhausinstitut. Das Projekt erhält Fördergelder aus dem Innovationsfonds und zählt zu dem Bereich der Versorgungsforschung.

Präsentationen zum Download

Matthias Kretzler

Kontakt

Matthias Kretzler
Referent · Krankenhaus